Nach dem gestern vom Landeswahlleiter verkündeten vorläufigen Endergebnis siegte die SPD mit 25,8 Prozent (+2,3 Prozent). Die Linke verzeichnet mit 3,4 Punkten den größten Zuwachs und erreicht 24,7 Prozent. Die CDU verliert acht Punkte und sackt auf 19,8 Prozent. Enttäuscht äußerten sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und die übrigen Parteichefs, dass es nicht gelungen sei, die rechtsextremen Kandidaten aus den Parlamenten fernzuhalten.

Ulrich Junghanns konnte der Abfuhr für die CDU noch etwas Gutes abgewinnen: „Diese Situation schweißt zusammen“, sagte der 52-jährige Landesvorsitzende tapfer vor der Presse in Potsdam. Nur noch 19,8 Prozent der Wähler zwischen Elbe und Oder hatten am Sonntag ihr Kreuz bei den märkischen Christdemokraten gemacht, ein Absturz gegenüber dem Höhenflug von 2003. Damals war die CDU noch mit 27,8 Prozent als stolzer Sieger durchs Ziel gegangen. Diese Position hatte sie eigentlich bei dem Urnengang verteidigen wollen. Zwar wiederholte Junghanns mit Blick auf die Landtagswahl in einem Jahr: „Als Parteivorsitzender bin ich der geborene Spitzenkandidat.“ Gleichzeitig fügte er aber mit Blick auf die Wahlniederlage an: „Persönliche Konsequenzen kann man nie ausschließen.“ Die sähen seine innerparteilichen Widersacher in der Union wohl lieber heute als morgen. Nach RUNDSCHAU-Informationen ist Kultusministerin Johanna Wanka als Nachfolgerin im Gespräch. Junghanns’ Stellvertreter und Erzrivale Sven Petke hielt sich gestern eher zurück. So rief er die traditionell in Machtkämpfen zerstrittene CDU zur Geschlossenheit auf, forderte Ruhe und Vernunft. Anders käme sie wohl auch nicht aus dem „20-Prozent-Loch“ heraus, analysierte der Potsdamer Politologe Bernhard Muszynski. Der Koalitionspartner sei für seine „Auseinandersetzungen auf offener Bühne“ abgestraft worden, stellte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) nüchtern fest. Gleichzeitig sah er die von ihm geführte Landes-SPD wieder auf dem aufsteigenden Ast. So habe sie mit 25,8 Prozent ihr Wahlziel erreicht, stärkste Kraft zu werden. Während sie bisher nur in drei Landkreisen die Mehrheit gehabt habe, seien es jetzt zehn. Der „Schlechte-Laune-Wahlkampf“ habe sich für die Linke nicht ausgezahlt – immerhin saß die aber den Sozialdemokraten mit 24,7 Prozent hart im Nacken. In der Landeshauptstadt Potsdam und in Frankfurt (Oder) wird die Linke als klare Wahlsiegerin den Oberbürgermeistern von SPD und CDU weiterhin das Leben schwer machen. Wenn ihr Landesvorsitzender Thomas Nord auch mit Blick auf die Landtagswahl 2009 derzeit wenig Chancen für ein rot-rotes Bündnis sieht, lud er zumindest auf kommunaler Ebene dazu ein. So gebe es jetzt in elf Kreistagen und Stadtverordnetenversammlungen die Möglichkeit der Kooperation. Einig waren sich alle Vertreter der etablierten Parteien in ihrer Verurteilung der Wahlerfolge rechtsextremer Parteien. Immerhin werden DVU und NPD voraussichtlich mit rund 30 Vertretern in den Kreistagen sowie den Stadtverordnetenversammlungen von Potsdam und Cottbus sitzen. Nur im Kreis Ostprignitz-Ruppin und in den Stadtparlamenten von Brandenburg/Havel und Frankfurt (Oder) blieben sie draußen. Jede Stimme für eine rechte Partei schade dem Land, und jeder ihrer Abgeordneten sei einer zu viel, erklärte SPD-Chef Platzeck. Landesweit kam die NPD auf 1,8, die DVU auf 1,6 Prozent der Stimmen. Nach den Wahlen komme es nunmehr darauf an, dass rechte Politiker in den Kommunalparlamenten nicht „falsch behandelt“ werden, betonte der Politikwissenschaftler Muszynski. So sollten die demokratischen Parteien sie zwar ernst nehmen, aber nicht mit ihnen kooperieren. Gefährlich würde es erst, wenn – wie in Sachsen – Handwerksmeister oder Kleingewerbetreibende aus der Mitte der Bevölkerung für rechtsextreme Parteien kandidierten. Mit Blick auf Brandenburg bemerkte Muszynski: „Solange das auf diesem Niveau ist, ist es keine wirkliche Gefahr und vor allem kein Rechtsrutsch.“