Dabei hatte man schon die Wahlplakate konzipiert und sich diebisch über den vermeintlichen Coup gefreut, die Konterfeis des Kanzlers und Vizekanzlers gegen die Herausforderer Angela Merkel und Guido Westerwelle zu stellen. Sollte heißen: Wollt ihr, liebe Wähler, von den international anerkannten Staatsmännern Schröder und Fischer regiert werden„ Oder von der "ostdeutschen Protestantin und dem rheinischen Junggesellen", wie CSU-Chef Edmund Stoiber dereinst seine ungeliebten Mitstreiter tituliert hatte“
Daraus wird dem Vernehmen nach nun doch nichts. Die Lage ist insbesondere für die SPD so dramatisch geworden, dass die Spitzengenossen Franz Müntefering und Gerhard Schröder mit dem heimlichen Grünenchef Joschka Fischer vereinbart haben, diesmal einen anderen Weg zu wählen. Jede Partei soll sich um ihre eigene Klientel kümmern und versuchen, die potenzielle Kundschaft optimal zu mobilisieren.
Die Strategen im Brandt-Haus sind der Auffassung, dass ein Wahlkampfmotto mit dem Inhalt "Weiter so" in dieser aufgeheizten Situation nicht unbedingt der Hit sein könnte. Schließlich hat sich das Bündnis nicht mit Ruhm bekleckert, es atmet nach Ansicht des Göttinger Parteienforschers Peter Lösche sogar den "Hauch der Resignation". Hinzu kommen inhaltliche Differenzen, über Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik, die in den teilweise zu ernsten Verstimmungen geführt haben. SPD und Grüne werden also ohne Koalitionsaussage in eine vorgezogene Bundestagswahl ziehen.
Im Bund könnte für Rot-Grün am linken Rand des Parteienspektrums Konkurrenz entstehen durch ein Bündnis aus PDS und Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG). Sollte das Bündnis aus WASG und PDS tatsächlich zu Stande kommen, will der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine dort mitmachen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte der Wochenzeitung "Die Zeit", in einer "Wahlauseinandersetzung sucht jeder das größtmögliche Maß an Wählerstimmen gegen jeden anderen Konkurrenten zu gewinnen". Dies sei "keine Absage an die Konstellation, in der wir erfolgreich gearbeitet haben". Der Kanzler fügte hinzu: "Ich will, dass die SPD stärkste Partei wird." Ähnlich hatte sich am Vortag Franz Müntefering geäußert. Ohne die Grünen beim Namen zu nennen, hatte dieser aber ergänzt, dass im Wahlkampf deutlich werde, "wo unsere Präferenz liegt". Wenn es die Mehrheit hergebe, werde das bisherige Regierungsbündnis fortgesetzt.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sieht ebenfalls keine Notwendigkeit für eine konkrete Koalitionsaussage. Und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte im ZDF: "Wir wollen ein starkes grünes eigenes Ergebnis." (dpa/kr)