So wurden in den letzten Tagen diskret einige Personen angesprochen und gebeten, ob sie Namen nennen könnten und es wurden auch Namen genannt. Denn inzwischen reift bei den Sozialdemokraten die Erkenntnis, dass eine Lösung zusammen mit Berlin mit großen rechtlichen Schwierigkeiten verbunden wäre und darüber hinaus erhebliche politische Risiken birgt.Jung und Experte seinDas gewünschte Profil für den SPD-Traumkandidaten wäre ein möglichst junger, zeitgeschichtlich hinreichend als Experte ausgewiesener Mensch mit Bindungen in Brandenburg, für den das Amt in Potsdam einen wirklichen Karrieresprung darstellt. Diesen Eindruck jedenfalls haben die Personen, die über die Suche informiert sind. Weniger erbeten sind demnach mögliche Kandidaten, die schon aufgrund ihres Lebensalters und auch ihrer DDR-Biografie wegen mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit das Stasi-Thema zu thematisieren bereit wären - also Persönlichkeiten wie beispielsweise Martin Gutzeit, der Berliner Beauftragte. Gutzeit zählte nicht nur zu den Mitbegründern der neuen SPD im Osten, er hatte in der ersten frei gewählten Volkskammer als parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion auch ein Schlüsselamt inne und sich später in der Auseinandersetzung um die Stasi-Kontakte von Manfred Stolpe immer eindeutig auf die Seite der Kritiker des früheren Ministerpräsidenten gestellt. Die Berliner Amtszeit von Gutzeit endet 2012 und der Mann wäre dann 60 Jahre alt.Sowohl die Potsdamer Staatskanzlei als auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Günter Baaske hatten sich zunächst bei ihren Berliner Parteikollegen erkundigt, ob ein gemeinsamer Beauftragter überhaupt denkbar wäre. In Berlin wurde dann auch noch die Linke, die im roten Rathaus mitregiert, um eine Stellungnahme gebeten. Allseits war zu hören, dass so etwas grundsätzlich möglich wäre. Bei einer genaueren Prüfung stellte sich allerdings schnell heraus, dass solch ein Vorhaben vor erheblichen rechtlichen Problemen stünde. Gutzeit wurde vom Abgeordnetenhaus gewählt, ist ihm gegenüber verantwortlich, die direkte Dienstaufsicht liegt beim Berliner Datenschutzbeauftragten. Um ihn auch in Brandenburg zu installieren, bedürfte es staatsvertraglicher Vereinbarungen und darüber hinaus landesrechtlicher Korrekturen in beiden Bundesländern. Es gibt vor allem derzeit keinen Wahlkörper, der solch ein Amt für beide Bundesländer besetzen könnte. Darüber hinaus hat der Berliner Beauftragte in seinem Bundesland auch erhebliche Möglichkeiten und Ressourcen, die politische Bildungsarbeit zu beeinflussen - was in Brandenburg nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen würde.Schnelle Lösung fraglichDeswegen auch hat die Potsdamer SPD-Führungsriege sich inzwischen von der Vorstellung verabschiedet, in absehbarer Zeit noch zu einer Ländergrenzen überschreitenden Lösung zu kommen. Der Koalitionspartner CDU drängt sowieso auf einen eigenen Brandenburger Beauftragten - der dann auch immer wahrscheinlicher wird, wenn es der SPD gelingt, einen aus ihrer Sicht befriedigenden Kandidaten zu finden. So lange diese Suche aber noch nicht abgeschlossen ist, bleibt es bei einem Prüfauftrag, der auch Berlin berücksichtigt und offen läss t, ob es noch bis zu den Wahlen zu einer Lösung kommt.