Auf einer Sitzung des Parteivorstands der Brandenburger SPD am Montagabend sei ein Leitantrag für den Landesparteitag am 23. November beschlossen worden, der unter anderem vorsieht, in der Legislaturperiode von 2014 bis 2019 rund 4000 neue Lehrer einzustellen. Das sind 350 mehr als in Pension gehen. Dabei soll es jedoch nicht bleiben. In den Kindertagesstätten soll die Betreuungsquote für die unter Dreijährigen im Verhältnis von 1:6 auf 1:5 verbessert werden. Mit Türöffnerprogrammen soll darüber hinaus die Abbrecherquote der Auszubildenden gesenkt werden, die Hochschulen sollen dafür insgesamt 75 Millionen Euro zusätzlich erhalten. Insgesamt planen die Sozialdemokraten, trotz der Schuldenbremse und der ungeklärten finanziellen Situation des BER, die Summe von 249 Millionen Euro neu im Bildungsbereich auszugeben. Dies sei ohne Neuverschuldung machbar.

"Wir wollen den vorsorgenden Sozialstaat in den Vordergrund stellen", sagte Woidke. Nötig sei eine Verbesserung der Chancengleichheit: Angesichts der demografischen Entwicklung könne man es sich nicht mehr leisten, einzelne Kinder und Jugendliche zurückzulassen.

Endgültig vom Tisch allerdings scheinen die Pläne von Bildungsministerin Martina Münch (SPD) zu sein, die Zahl der Inklusionsschulen Jahr für Jahr wachsen zu lassen und die Zahl der Förderschulen parallel dazu zu reduzieren. "Bei der Inklusion wird es keinen Automatismus geben", stellte Woidke klar. "Wir werden den Modellversuch nach drei Jahren auswerten und dann weitersehen."

Deutlicher noch wurde der Ministerpräsident, als es um die politische Konkurrenz im Lande ging. Dem wiedergewählten CDU-Landesvorsitzenden Michael Schierack attestierte Woidke ein "bemerkenswert gutes Ergebnis" - allerdings müsse man nun sehen, ob die Einheit des Parteitags auch eine inhaltliche Einheit gewesen sei.

Gegen den Koalitionspartner dagegen teilte Woidke aus: Zwei Tage, nachdem Linke-Fraktionschef Christian Görke in Eberswalde ein längeres gemeinsames Lernen der Schüler in Gemeinschaftsschulen forderte, stellte der Ministerpräsident klar, dass die SPD für den Erhalt der Gymnasien eintrete. "Eine Einheitsschule kommt mit uns nicht in frage."

Und auch die Feststellungen des Ministerpräsidenten, dass die Linke "im Großen und Ganzen ein großes Interesse an Regierungsverantwortung" gezeigt habe und es zwischen den Koalitionspartnern "keine unüberwindlichen Positionen" gebe, klangen nur bedingt nach einer großen Liebe. War es da nur ein bizarrer Zufall, dass Michael Schierack, dessen Fraktion im selben Restaurant eine Sitzung abhielt, unerwartet in den Raum der SPD-Pressekonferenz kam, sich einige Minuten an den Tresen setzte und, im plötzlichen Erkennen der Situation, schnell wieder verschwand? Klar scheint jedenfalls, dass die Brandenburger SPD den Landtagswahlkampf ohne Koalitionsaussage eröffnen wird.

Worüber sich mittlerweile auch die Linkspartei im Klaren scheint. Fraktionschef Christian Görke ruderte jedenfalls nur wenige Minuten nach den Äußerungen von Woidke zur Einheitsschule schnell zurück. "Wir wollen keinen Glaubenskampf", sagte er auf dem wöchentlichen Pressetermin seiner Fraktion. "Wir wollen eine Durchlässigkeit des Schulsystems für eine Schule für alle." Es sei selbstverständlich, dass es in Brandenburg weiter Gymnasien geben werde.