Derzeit stehen nur 14 der 120 Landtagssitze den Sozialdemokraten zu, und wie es aussieht, werden auch nicht viele neue Plätze zu vergeben sein. Nach allen bisherigen Umfragen dürfte die SPD kaum ein deutlich besseres Ergebnis einfahren als im Jahr 1999 mit 10,7 Prozent - zumal die Personalquerelen der Bundespartei der Wahlkampf-Vorbereitung nicht gerade nützen.
Zudem hören nur vier oder fünf der 14 bisherigen Mandatsträger auf. Neben dem früheren Fraktionschef und heutigen Kulturpolitiker Karl-Heinz Kunckel gehen Innenpolitiker Peter Adler sowie ihre Kollegen Gudrun Klein und Gunter Lochbaum. Unklar ist der Abschied vom sächsischen DGB-Chef Hanjo Lucassen. Er erklärte gegenüber der RUNDSCHAU, er stehe für ein Direktmandat nicht mehr zur Verfügung. Ob er allerdings einen guten Platz auf der Landesliste anstrebe, darüber habe er "noch nicht endgültig entschieden”.
Fest steht freilich, dass Fraktionschef Thomas Jurk aus Weißwasser die Landesliste als Spitzenkandidat anführt und zugleich die Lausitz in der SPD-Fraktion vertritt. Nach zähem innerparteilichem Kampf hatte er den vorderen Platz auf dem Tandem der SPD erobert, Parteichefin Constanze Krehl muss auf den hinteren Sitz - und damit auf Platz 2 der Landesliste. Auch wenn die beiden bisher eher Feindschaft als Freundschaft verbindet, müssen sie nun über die weiteren Plätze verhandeln. Was zum Beispiel wird mit Zankapfel Karl Nolle?
Bisher unwidersprochen ist allerdings der Satz: Wer drin ist, bleibt drin - sprich: Die amtierenden Abgeordneten bekommen auch wieder einen möglichst sicheren Platz. Zugleich gilt die Absicht, statt auf ein ausgeklügeltes Regionalprinzip lieber auf Fachkompetenz zu setzen. Über die Liste, die dabei herauskommt, sollen die Landesdelegierten Mitte Juni nach der Kommunal- und Europawahl beschließen. Dabei gibt es für die wenigen freien Mandate ambitionierte Nachrücker genug: Juso-Chef Martin Duhlig zum Beispiel, die frühere Bundestags-Kandidatin Liane Deicke aus Delitzsch oder Gernot Boris aus dem Leipziger Büro des Bundestagsabgeordneten Rainer Fornahl.
In Dresden konkurrieren noch der Landesvize der Gewerkschaft der Polizei, Peer Oehler, und Eileen Mägel, frühere Radio-PSR-Frau und heutige Pressereferentin der SPD-Fraktion.
Leipzig dürfte ebenfalls parteiinterner Brennpunkt bleiben: Nicht nur, dass die erste Kür des Ex-Uni-Rektors Cornelius Weiss mangels Basis scheiterte und am 18. März wiederholt werden muss. Im Wahlkreis Leipzig 1 tritt trotz aller Turbulenzen Ronald Lässig an - der frühere MDR-Nachrichtensprecher, der vielen als Belastung in der Partei gilt, seit von seinem MDR-Dienstcomputer aus eine E-Mail mit einer gefälschten Agenturmeldung in die Welt ging.
Wegen Auseinandersetzungen mit dem Sender lässt sich Lässig übrigens derzeit vom Anwalt Ulrich G. Keßler vertreten. Juristisch eine Vertrauensperson, politisch ein Konkurrent: Keßler tritt im selben Wahlkreis für die FDP an.