Mit der Personalentscheidung legt sich die SPD nicht nur den bundesweit jüngsten Landtagsfraktionschef der Partei zu, sondern trifft auch in der heftig diskutierten Gretchenfrage eine Entscheidung: Dulig bekennt sich klar zum schwarz-roten Regierungsbündnis: "Ich kämpfe für diese Koalition." Weiss dagegen war vorigen Freitag mit scharfer Kritik an Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) zurückgetreten. Er könne den Kurs der Sozialdemokraten der Koalition nicht länger nach außen vertreten.
Doch auch die weiteren Personalien stützen die Richtungsentscheidung: Der Gewerkschafter Stefan Brangs wurde mit zehn Ja-Stimmen zu Duligs Nachfolger als Parlamentarischer Geschäftsführer gewählt. Haushaltspolitiker Mario Pecher rückte mit zwölf Ja-Stimmen als Fraktions-Vize auf. Beide stehen zur Zweckehe mit der ungeliebten CDU. Das Personal-Domino war durch die heftigen Querelen um die Landesbank SachsenLB, die angebliche Korruptionsaffäre und das neue Hochschulgesetz ausgelöst worden.
Nun aber war von Aufbruch und Aufatmen die Rede und CDU-Fraktionschef Fritz Hähle gratulierte ganz euphorisch. Er wolle "sehr gerne für den gemeinsamen Erfolg der Koalition gut zusammenarbeiten". Doch Dulig, der sich schon als Bildungspolitiker häufig mit Kultusminister Steffen Flath (CDU) angelegt hatte, will zugleich Flagge zeigen. Er werde "selbstbewusste Politik" für die SPD machen und die Themen Bildung, Arbeit und Familie nicht länger der Konkurrenz überlassen. Es gehe schließlich um den Anspruch, "linke Volkspartei" zu sein - auch bei 9,8 Prozent Wählerstimmen.
Das hörte SPD-Chef und Wirtschaftsminister Thomas Jurk gern. Dulig sei "ein großes politisches Talent und ein Garant dafür, dass die Sozialdemokraten eine deutliche Handschrift hinterlassen". Dazu wird auch der nimmermüde Koalitionskritiker Karl Nolle gehören, der Duligs Rückendeckung genießt. "Karl ist Karl und gehört zur Fraktion", sagt Dulig. "Ich lasse nicht zu, dass man ihn aus unseren Reihen treibt."
Der neue sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende hat Erfahrung darin, einen Laden zusammen zu halten: Er war bis 2004 noch Juso-Chef, steht heute dem SPD-Unterbezirk Dresden vor - und ist Vater von sechs Kindern.