Die Universität habe offensichtlich Gründe für ihr Urteil, meinte er nur und fuhr fort: "Trotzdem tut es mir leid. Ich schätze sie sehr als Person."

Das war keine wohlfeile Geste. Gabriel, sagt einer aus seinem Umfeld, "mag die wirklich". Vier Jahre saßen beide gemeinsam am Kabinettstisch der Großen Koalition. Außerdem könne der SPD-Chef sehr gut mitfühlen, wie hart ein solcher Vorgang nach 33 Jahren sei. Er habe schlicht Mitleid mit Schavan.

Nicht zum ersten Mal. Erst im Januar hatte sich der Ober-Sozialdemokrat ungefragt vor die CDU-Politikerin gestellt, als diese in einer "Bild"-Kolumne ("Sie sind wie eine Cousine, die keinen Mann bekommen hat") attackiert wurde. "Bösartig&frauenfeindlich", twitterte der SPD-Mann und fragte: "Wo bleibt der Protest?"

Auf dem Wochenmarkt in Ulm sorgte das Uni-Votum vom Vorabend für Empörung. Die Wahl-Ulmerin Schavan kauft selbst gern auf dem Markt am Münsterplatz ein. "Diese Jagd auf die Frau, das ist ein Ding der Unmöglichkeit", schimpft eine Ulmerin mit Einkaufstrolley. Wie viele andere Menschen in der Donaustadt versteht sie nicht, warum eine mehr als 30 Jahre alte Doktorarbeit zur "Oberposse" wird. "Das hätte doch der Doktorvater prüfen müssen", sagt sie.

Ein älterer Ulmer ist auch verärgert: "Die machen sie jetzt fertig." Dabei mache Schavan ihre Arbeit doch gut. Die 57-Jährige hat sich das Vertrauen der Bürger und ihres Wahlkreises erst erarbeiten müssen. Mittlerweile hat sie ihren Platz in der Donaustadt und wird von vielen geschätzt.

Erst einmal kann sich Schavan wohl der Rückendeckung aus Ulm sicher sein. Ihr CDU-Heimatverband hatte Schavan erst vor Kurzem mit überwältigender Mehrheit zur Kandidatin für die Bundestagswahl nominiert. Von dort wird in nächster Zeit wohl kaum Druck kommen.