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| 17:06 Uhr

SPD-Chef Beck warnt vor Ostalgie

18.06.1953: Sowjetische Panzer rollen durch die Straßen Ost-Berlins, um den Widerstand gegen das Ulbricht-Regime niederzuschlagen.
18.06.1953: Sowjetische Panzer rollen durch die Straßen Ost-Berlins, um den Widerstand gegen das Ulbricht-Regime niederzuschlagen. FOTO: ddp
Zum 55. Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR hat sich der SPD-Vorsitzende Kurt Beck gegen eine Verklärung der SED-Diktatur gerichtet. dpa/nm

Mehr als je zuvor müsse heute an das Unrecht des Regimes, an Unfreiheit, Einschüchterung und Privilegiensystem erinnert werden, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident am Montag anlässlich des Gedenktages zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Die DDR habe weder Freiheit, Gleichheit noch unabhängige Gewerkschaften gekannt. Die SPD gedenke der Opfer. „Ihr Mut, ihre Entschlossenheit ist Mahnung und Auftrag für uns, für die Demokratie zu kämpfen“, sagte Beck.

Der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, forderte, den Widerstand gegen die SED-Diktatur stärker zu würdigen. Vor allem junge Menschen könnten mit dem 17. Juni 1953 nicht mehr viel anfangen, sagte Knabe laut Mitteilung. Die Kultusministerien der Länder sollten dafür sorgen, dass das Thema im Unterricht und in Projekttagen jüngeren Menschen näher gebracht wird. Knabe schlug vor, den 17. Juni als offiziellen Gedenktag für den Widerstand in der DDR zu begehen.

Zum 55. Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR am Dienstag wollen Politiker und Verbände in Berlin an die Opfer erinnern. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) werden zu einer Kranzniederlegung auf dem Friedhof in der Seestraße in Berlin-Wedding erwartet. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) wird am Denkmal vor dem Finanzministerium einen Kranz niederlegen. Der CDU-Landesverband will mit einer Kundgebung an den Volksaufstand erinnern. Die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur veranstaltet eine Podiumsdiskussion.

Zwischen 500 000 und einer Million Menschen protestierten am 16. und 17. Juni 1953 in der DDR gegen die SED-Diktatur. Ursprünglich richteten sich die Streiks und Demonstrationszüge gegen unzumutbare Arbeits- und Versorgungsbedingungen. Prominenteste Keimzelle der Proteste war der Streik der Bauarbeiter in der Berliner Stalinallee. In Görlitz übernahm ein Streikkomitee sogar für kurze Zeit die Macht im Rathaus. Mehr als 100 Menschen kamen bei der Niederschlagung des Aufstandes ums Leben, etwa 1600 wurden zu Haftstrafen verurteilt.