Dies verdanken sie einem deutsch-polnischen Wirtschaftsprojekt, an dem die Stadt Wroclaw und zwei deutsche Firmen beteiligt sind. Die Stuttgarter interSpa-Gruppe errichtet seit Mai 2005 den Aquapark im Auftrag der Stadt. Die Dresdner Firma Inerconsult entwickelte das Konzept für Kooperation der Beteiligten und arbeitet im Management des Vorhabens mit.
Möglich wird das durch eine Public-Privat-Partnerschaft (PPP) zwischen Deutschland und Polen. Während die polnische Stadt Genehmigungen, Sicherheiten und Baugrund stellt, will die Stuttgarter Gruppe das Bad in den kommenden drei Jahrzehnten auf eigenes Risiko betreiben. Die Dach-Gesellschaft Wroclawski Park Wodny S.A. (Aquapark Wroclaw AG) schließt nach polnischem Recht Verträge mit Banken, Baufirmen und Beratern.
Inerconsult-Geschäftsführer Markus Reichel nennt psychologische Barrieren eine der größten Hürden. "Vor Geschäften zwischen privaten Unternehmern und öffentlichen Stellen herrscht Scheu", hat der Ökonom gelernt. Schnell werde Korruption vermutet. Bei Geschäftskontakten nach Bulgarien, Tschechien und in die Ukraine habe die Firma den Umgang mit kulturellen Unterschieden gelernt, sagt der Unternehmer. Als Vorstand der Aquapark Wroclaw AG weilt Reichel einmal pro Woche vor Ort. Pläne der Partner zu Architektur ließen sich durch Verhandeln unter einen Hut bringen. So fiel die Wahl auf die Stuttgarter Gruppe, die in Deutschland mehrere Bäder betreibt. Sport- und Wellnessbad, Fitnessräume und Läden entstehen auf der rund vier Hektar großen Baustelle am Stadtrand von Wroclaw. Das Bad mit 30 Millionen Euro Investition wird zu den größten und modernsten seiner Art in Polen zählen, zeigten Analysen.
Lange Entscheidungswege und schwierige Finanzierungen bereiten nach Einschätzung von Horst Brezinski die größten Probleme bei PPP-Vorhaben in Polen. Nach Schätzungen des Professors am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen an der Bergakademie Freiberg wurden bislang höchstens 20 solche Projekte im Nachbarland in Angriff genommen. An gute Chancen für Geschäftsleute in Polen glaubt Reichel dennoch. Die Kommunen würden sich bei knappen Kassen allmählich für Privatinvestoren erwärmen und Investitionsbedarf anmelden. (dpa/rek)