Für den 47-Jährigen, der seit 2005 für die Semperoper tätig ist, ist das vergangene Jahr mit dem großen Überschuss dennoch eher "ein Ausnahmejahr". Er verweist auf insgesamt 369 Vorstellungen vor 440 000 Besuchern sowie das Auslandsgastspiel in Japan.
Gern betont er den hohen Eigenanteil des Dresdner Opernhauses an der wirtschaftlichen Gesundung. "Bei Gesamteinnahmen von 29,9 Millionen Euro im Jahr 2007 liegt der Kostendeckungsgrad bei 47 Prozent." Damit habe man dem bisherigen deutschen Spitzenreiter, der Bayerischen Staatsoper in München, den Rang abgelaufen. Auch die Auslastung der Veranstaltungen sei mit 97 Prozent "nicht mehr steigerbar".
Noch Anfang Juli hatte Generalmusikdirektor Fabio Luisi öffentlich darüber geklagt, wie sehr seine Musiker durch die vielen zusätzlichen Verpflichtungen belastet seien. Doch selbst verdi-Mann Michael Kopp hat gegen den Sparkurs der Dresdner Semperoper keine wirklichen Einwände. Die Personalreduzierung von 891 auf 816 Beschäftigte innerhalb der letzten zehn Jahre sei "sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen abgelaufen", sagt der Gewerkschafter, der in den Landesbezirken Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig für den Bereich Kultur und Medien ist.
Dresdens Tourismus-Chefin Yvonne Coulin bestätigt die besondere Anziehungskraft der Semperoper auf auswärtige Besucher, "neben Frauenkirche, Zwinger und Grünem Gewölbe". Selbst der sonst rückläufige Tourismus-Trend in der Elbestadt im vergangenen Jahr habe sich nicht negativ auf die Staatsoper ausgewirkt, sagt Rothe. Erst 2008 sei ein leichter Rückgang der Besucherzahlen zu beobachten, was auch auf die geringere Zahl der Vorstellungen und die allgemeinen Preiserhöhungen zurückzuführen sei.

Operntouristen im Blick
Intendant Gerd Uecker will nun noch stärker auf die "inzwischen europäisch orientierten Operntouristen, aus Berlin, Zürich oder London" eingehen. "Zum Beispiel mit einem Premierenabo viermal im Jahr, mit Flug und Übernachtung inklusive". Uecker ist stolz auf das Repertoire. "Wir machen das ganze italienische Programm, beispielsweise Verdi und Puccini, und alle Opern von Wagner und Mozart. Und natürlich aus Tradition, die Richard-Strauss-Pflege." Daneben gebe es jedoch auch zeitgenössische Uraufführungen, wie zum Beispiel "La Grande Magia" im Mai.

Entwicklung im Spannungsfeld
Künstlerische Entwicklung vollziehe sich stets im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Zwängen und qualitativen Ansprüchen, sagt der Opernchef. Er frage sich oft, wie er das Niveau halten solle, wenn er nicht auch immer wieder internationale Spitzenkünstler engagieren könne. Uecker geht davon aus, dass die Zuschüsse des Freistaats, die im laufenden Jahr 37,1 Millionen und im vergangenen Jahr 38,4 Millionen Euro betrugen, auch in den kommenden Jahren weitgehend konstant bleiben. Bis zum Krisenjahr 2004 hatte die Semperoper jährlich rund 35 Millionen Euro an Freistaatssubventionen erhalten, bei gleichzeitig steigenden Personal- und Sachkosten.
Das Kunstministerium teilte nun mit, dass es am Konsolidierungskurs für die Semperoper festhalten wolle. So sind laut Kabinett-Beschluss im Entwurf für den neuen Doppelhaushalt 37,3 Millionen Euro im Jahre 2009 und 41,6 Millionen Euro im Jahre 2010 für das Opernhaus vorgesehen.