Nach einer anonymen Strafanzeige prüft die Behörde, "ob ein Anfangsverdacht für Untreue vorliegen könnte", bestätigt Sprecher Jürgen Flügel. Ein Ermittlungsverfahren sei bislang nicht eingeleitet. Ob es dazu kommt, ist ungewiss. Denn es bestehe auch "die Möglichkeit, dass Unternehmen einem Manager etwas schenkt", so Flügel. Und die Sparkasse selbst und ihre Verwaltungsratschef, Landrat Christian Gilde (SPD), weisen einen Missbrauch von Geldern des Instituts, das 55 000 Kunden hat, zurück. "Es war keine Privatveranstaltung", sagte Gilde. "Es war ein gesellschaftliches Ereignis für den Landkreis." Es sei eine "Kundenveranstaltung" gewesen, betont Sparkassensprecher Karsten Teuffert.

Längster roter Teppich
Fest steht: Als am 30. Mai einhundert geladene Gäste in die Sparkassenzentrale der Provinz-Kleinstadt strömten, fehlte es an nichts. Es wurde, so ein Teilnehmer, Neuruppins bisher "längster roter Teppich ausgerollt". Das Menü servierte der Berliner Exklusiv-Caterer "Käfer". "Für Neuruppiner Verhältnisse war es luxuriös", erinnert sich der Landtagsabgeordnete Wolfgang Klein (SPD). "Ich habe schon viele Empfänge erlebt: Das fiel schon aus dem Rahmen - alles war vom Feinsten." Er habe nicht geahnt, dass dies aus Sparkassengeldern finanziert werde. Auch dass es zugleich eine Veranstaltung anlässlich "160 Jahre Sparkasse" gewesen sein soll, wie die Bank und Verwaltungsratschef Gilde jetzt betonen, sei für ihn nicht erkennbar gewesen. Klein selbst verließ die Veranstaltung vorzeitig. Als Grund nannte er die Anwesenheit des früheren Neuruppiner Bürgermeisters Otto Theel (Linkspartei), der gerade wegen Korruption verurteilt worden war und sein Landtagsmandat niedergelegt hatte.

"Firmenwerbung"
Theel war dort nicht allein privat. Er ist - bis heute - Verwaltungsratsmitglied der Sparkasse, sogar stellvertretender Vorsitzender des Gremiums. Auch er verteidigt den Empfang als "Firmenwerbung". Und die Sparkasse habe zuvor ihren Jahresbericht vorgelegt, "mit top Zahlen". Es sei eine Doppel-Veranstaltung gewesen, auch aus Anlass des Sparkassenjubiläums. Merkwürdig bleibt, dass in offiziellen Verlautbarungen der Sparkasse das 160-Jahre-Jubiläum bis zu den aktuellen Schlagzeilen keinerlei Rolle spielte.
Gleichwohl warnt Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Brandenburger Gemeindebundes, vor einer "Neiddebatte". Ein Geburtstagsempfang für einen Sparkassenchef sei "in Ordnung." Allerdings sollte dabei auch "Maß gehalten" werden. Ob dies in diesem Fall geschah, daran hat auch Böttcher seine Zweifel.