Bei einer Zunahme der Nettoeinkommen von nur 0,2 Prozent im Jahr 2002 halten sich die Bundesbürger mit dem Ausgeben offenbar zurück - sie verzichten oder feilschen. Handeln sei wie flirten, sagt Marion Vorbeck, Autorin des Buches "Feilschen wie ein Profi". Es habe etwas mit Selbstbewusstein, Stil und Individualität zu tun, ob und wie jemand handle. Wenn man sich einmal überwinde, folge die "Belohnung auf den Fuß" - das Erfolgserlebnis beim Handeln sei beglückend. Auch nach Ansicht des Arbeitskreises Umgangsformen International steigert Handeln die Konsumfreude und ist "nicht unhöflich". Außerdem bleibt ganz nebenbei am Monatsende mehr Geld übrig. Billig einkaufen ohne zu feilschen, können Verbraucher mit Hilfe des Internets.
Die günstigsten Angebote aus Bereichen wie Elektronik, Urlaub, Mode, Hobby suchen die Betreiber der Internetseite www.sparen.de für ihre User aus. Rund 30 000 Besucher - mit zunehmendem Trend - klickten sich pro Monat in die Sparangebote, sagt Projektleiter Achim Breuer. Besonders gefragt seien die Schnäppchen aus den Bereichen Computer und Telekommunikation, Reise sowie Haus und Garten. Hauptursache fürs Sparen sei wohl die allgemeine wirtschaftliche Lage, meint Breuer. Für viele sei das Sparen aber auch wie ein Sport.
Auch die Verlage unterstützen den Pfennigfuchser-Trend. Gräfe und Unzer hat im Frühjahr 2003 gleich mehrere Titel auf den Markt gebracht, mit deren Hilfe "Gutes Essen, Fitness und Entspannung" für den kleinen Geldbeutel möglich gemacht werden sollen. So erschien im Februar der Band "Rezepte unter 1,50 Euro" - für wenig Geld kommen Leckereien wie Zitronenreis mit Hähnchen oder Champignon-Mandel-Bolognese auf den Tisch. Wem die preisgünstigen Köstlichkeiten auf die Hüften schlagen, der muss trotzdem nicht den Weg ins teuere Fitnessstudio gehen. Unter dem Titel "Das neue Bodystyling" verspricht der Verlag ein "wirksames Training für Bauch, Beine, Po" zum Preis von 14.90 Euro für Buch plus CD. Außerdem empfohlen werden sparsamen Lesern Neuerscheinungen rund um die Themen, "Versicherungen", "Zuhause essen, statt im Restaurant", "Urlaub in Deutschland". Um den Sparkurs dann auch durchzuhalten, empfehlen die Verbraucherzentralen das Führen eines Haushaltsbuchs per Computer. Das elektronische "Haushaltsbuch" beantwortet Fragen wie "Was kostet mein privater Pkw" oder "Ist am Wochenende noch genügend Geld für einen Res-
taurantbesuch vorhanden?" Es kostet 14,99 Euro und kann im Internet unter www.lexware.de bestellt werden. Das Haushaltbuch hilft, den Überblick über die monatlichen Ausgaben zu behalten und zu sehen, wo das Geld hingeht. Zumindest ein Teil des Salärs wandert bei drei von vier deutschen Haushalten jeden Monat zu Aldi, wie das Einzelhandelsunternehmen mitteilt.
Der Umsatz des Discounters soll nach Schätzung der "Lebensmittelzeitung" im vergangenen Jahr um elf Prozent gewachsen sein. Mit Einbußen müssen hingegen die Anbieter von überflüssigem Schönen rechnen. So leisten sich die Deutschen seltener Fleurop-Blumengrüße. Der Inlandsumsatz von Fleurop sank von 2001 auf 2002 um 6,7 Prozent auf 65,4 Millionen Euro.
Der Wert der einzelnen Aufträge war nach Unternehmensangaben im Durchschnitt allerdings höher als 2001. Fazit: Wer erfolgreich spart, kann sich auch mal etwas besonders Luxuriöses gönnen.