Der Triumph der spanischen Volkspartei (PP) unter dem designierten Ministerpräsidenten Mariano Rajoy über die seit 2003 regierenden Sozialisten habe ein „ungeschriebenes Gesetz“ bestätigt, nach dem in der Eurokrise alle Regierungen in Ländern stürzen, die von den Märkten als „peripher“ wahrgenommen werden, analysiert das Bankhaus Bankinter.

Rajoy ist kein Mann der vollmundigen Versprechungen. Seine Landsleute ruft er nach dem Wahlsieg zu einer „gemeinsamen Anstrengung“ auf, räumt aber ein, „keine Wunder“ vollbringen zu können. Die viertgrößte Volkswirtschaft der EU weist Grunddaten auf, die wenig Anlass zu Optimismus geben und die neue Regierung schon bald in die Rolle eines Bittstellers drängen könnten: 21,5 Prozent Arbeitslosigkeit, 9,3 Prozent Neuverschuldung im vergangenen Jahr und angekündigter Rückfall in die Rezession 2012.

Rajoy sei im Wahlkampf „unbestimmt geblieben“, befindet Gilles Moec von der Deutschen Bank. Der Wahlsieg werde voraussichtlich Reformen auf dem Arbeitsmarkt, im Bankensektor und Einsparungen nach sich ziehen. Die Grüße der Börse in Madrid an die neue Regierungsmehrheit hätten freundlicher ausfallen können.

Das Börsenbarometer IBEX 35 fiel am Morgen um gut zwei Prozent, schlimmer aber, die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen kletterte von 6,345 Prozent bei Börsenschluss am Freitag auf 6,406 Prozent. Ähnlich wie in den anderen „peripheren“ Ländern der Eurozone ist es das Auseinanderklaffen dieser Rendite um mehr als fünf Prozent gegenüber dem Wert für Deutschland, der in der Finanzwelt die Alarmglocken schrillen lässt. Die neue Regierung werde kaum auf die übliche „hunderttägige Gnadenfrist“ Anspruch haben, befinden die Experten von Bankinter. Erste Maßnahmen würden noch vor der Jahreswende fällig. Rajoy hat Ausgabenkürzungen angekündigt, aber keine Einzelheiten.

Die Programme der bislang regierenden Sozialisten (PSOE) und der Volkspartei geben keinen klaren Eindruck, worin der wesentliche Richtungswechsel bestehen soll. Die Volkspartei hat Steuersenkungen für Kinderreiche und Kleinunternehmen versprochen. Sie will sparen. Aber die Sozialisten haben einige der unpopulärsten Maßnahmen schon beschlossen – die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahre und Gehaltskürzungen bei den Beamten um fünf Prozent.

Da die extrem hohe Arbeitslosigkeit, die höchste unter den Indus trieländern, für den Wahlsieg der Konservativen eine zentrale Bedeutung hatte, dürfte sie an dieser Stelle besonders schnell Reformen anstreben. Die Statistiken weisen 21,5 Prozent quer durch alle Altersgruppen und gar 45,8 Prozent bei den 16- bis 24-Jährigen aus. Insider wissen, dass diese Zahlen durch einen großen Schwarzarbeitsmarkt mitverursacht sind. Von den Basisdaten, die Rajoy geerbt hat, ist zumindest die Gesamtschuldenlast günstiger als etwa in Italien oder Griechenland. Mit 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) scheint das Land recht solide dazustehen.