Angriff ist die beste Verteidigung. Ganz nach diesem Motto inszenierte Aznar seinen mit Spannung erwarteten Auftritt. Der 51-Jährige beschuldigte gestern mit harten Worten und verbitterter Miene die heute regierenden Sozialdemokraten, nach dem Bombenterror vom 11. März 2004 eine "Lügen"-Kampagne gegen seine Konservativen organisiert zu haben, mit dem verschwörerischen Ziel, die nationale Wahl zu gewinnen. Diese fand drei Tage später, am 14. März, statt und die Sozialdemokraten unter ihrem Spitzenmann José Luis Zapatero siegten tatsächlich überraschend.

191 Menschen starben
Aznar wurde vom Parlaments-Ausschuss ins Kreuzverhör genommen, weil in den Tagen zwischen Attentat und Wahltag der Verdacht aufkam, dass der Ex-Regierungschef die islamistischen Hintergründe des Bombenanschlages zunächst und aus wahltaktischen Gründen vernebeln wollte. Bei dem schlimmsten Attentat in der spanischen Geschichte hatten arabische Terroristen vier Vorortzüge in die Luft gesprengt und 191 Menschen getötet. Die Aznar-Regierung hatte bis zum Wahltag den Eindruck erweckt, als ob die baskische Terrorgruppe Eta hinter dem Massaker steckte. Obwohl seit dem Tag des Attentates Hinweise auf islamistische Täter vorlagen.
"Mein Gewissen ist sauber", bekräftigte Aznar nun vor dem Abgeordnetenausschuss. "Wir haben die Wahrheit gesagt über das, was wir wussten." Natürlich sei man heute, gut siebeneinhalb Monate nach dem Anschlag, etwas klüger. Gleichwohl blieb Aznar der Strategie seiner konservativen Partei treu, die sich kurioserweise immer noch in die vage Behauptung flüchtet, eine Beteiligung der Eta an dem Blutbad sei nun einmal nicht auszuschließen. Aznar: "Ich bin nicht der Einzige, der denkt, dass die Eta etwas damit zu tun haben könnte." Auf die Polizei kann sich Aznar mit dieser Meinung jedoch nicht stützen - die Sicherheitsbehörden haben keine Beweise gefunden für eine Mittäterschaft der Eta.
In- und ausländische Medien waren am Terrortag von der Aznar-Regierung bedrängt worden, die Eta für das Attentat verantwortlich zu machen. Auch die spanischen Botschaften waren weltweit angewiesen worden, die Eta-Theorie zu verbreiten. Wäre es tatsächlich die baskische Terrorgruppe gewesen, hätte dies Aznars Konservative in der Wahl vermutlich gestärkt.

Verbitterte Formulierungen
Aznar, dessen öffentliche Erklärungen seit der Wahlniederlage seiner Partei durch verbitterte Formulierungen auffallen, fuhr auch jetzt harte Geschütze auf. Alle gegen ihn vorgetragenen Anschuldigungen seien "aggressiv, sektiererisch, undemokratisch und falsch". Die Verdunkelungs-Vorwürfe gegen ihn hätten den Sozialdemokraten nur dazu gedient, die "Gefühle der spanischen Gesellschaft zu manipulieren".