Die Regierung in Madrid wiederholt es gebetsmühlenartig: ,,Spanien ist nicht Griechenland." In der Bevölkerung wächst jedoch der Eindruck, dass sich die Situation beider Mittelmeerstaaten zumindest immer stärker ähnelt. ,,La crisis" (die Krise) ist ohnehin schon in aller Munde. Dass die Ratingagentur Standard & Poor's nun die Kreditwürdigkeit Spaniens gesenkt hat, nährt die Befürchtung, dass die griechische Schuldenkrise das Land mitreißen könnte.

Nach Ansicht der Madrider Zeitung ,,El País" ist Spanien bereits in deren Sog geraten: ,,Unter den schwächelnden Ländern der Eurozone ist ein weiterer Dominostein gefallen", schrieb das Blatt am Donnerstag.

Für die sozialistische Regierung in Madrid war die Herabstufung eine Ohrfeige. Nur wenige Stunden vorher hatte Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero im Parlament versichert: ,,Es gibt Indizien, dass sich unsere Wirtschaft erholt und wir anfangen, die Rezession hinter uns zu lassen." Ganz anders sieht das dagegen die Bewertungsagentur. ,,Die Perspektive ist negativ", urteilte Standard & Poor's (S&P). Das Unternehmen prognostiziert für Spanien ein jährliches Wachstum von lediglich 0,6 Prozent bis 2013. Madrid sagt hingegen bereits für das Jahr 2011 ein Wachstum von 1,8 Prozent voraus. Spanien hat ebenso wie Griechenland ein erhebliches Defizitproblem. In Madrid beträgt die Neuverschuldung 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), in Athen sind es 13,6 Prozent. Erschreckend für Analysten ist, wie rapide es mit Spanien bergab gegangen ist: Noch 2007 galt das Land mit einem Überschuss von 2,2 Prozent als europäischer Musterschüler.

Schwer zugesetzt hat Spanien neben der weltweiten Rezession eine hausgemachte Immobilienkrise, die auch den Bausektor mitriss. Die Arbeitslosenquote kletterte inzwischen auf rund 20 Prozent, das ist der höchste Wert in Westeuropa. 4,6 Millionen Menschen sind ohne Job, rund 30 Milliarden Euro gibt der Staat dieses Jahr für Arbeitslosenunterstützung aus.

Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch die Staatsverschuldung: In Spanien liegt sie bei rund 53 Prozent des BIP, das ist sogar weniger als in Deutschland. Griechenland kommt dagegen auf enorm hohe 115 Prozent. Sorgen bereiten jedoch in Spanien die Schulden von privaten Haushalten und Unternehmen, die nach Berechnungen von S&P 178 Prozent des BIP betragen und mit dem Konsumrausch in Zeiten des Immobilienbooms zusammenhängen. Heute können immer weniger Familien ihre Kredite für Neuwagen oder Hauskauf zurückzahlen.

Außerdem ist die spanische Volkswirtschaft rund viereinhalb Mal größer als die von Griechenland. Sollte also der ,,spanische Stier" ernsthaft ins Straucheln geraten, wären die Auswirkungen in der Eurozone weitaus schlimmer.

Vor diesem Hintergrund sei trotz der Herabstufung die Note ,,AA" eine ,,hervorragende" Bewertung für Spanien, meint S&P. Zudem sei die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit gleich Null. Trotzdem wird es auch für Spanien teurer, sich frisches Geld zu besorgen. Schätzungen zufolge könnte dies in diesem Jahr mit rund 3,2 Milliarden Euro zu Buche schlagen.

,,Unsere Glaubwürdigkeit ist angeschlagen", räumte Vizeregierungschef Manuel Chaves am Donnerstag ein. Und die Opposition rief Madrid dazu auf, bereits beschlossene Maßnahmen zügig umzusetzen. Darunter ist etwa ein 50 Milliarden Euro schweres Sparpaket, das die Neuverschuldung bis 2013 wieder auf das zulässige Niveau von drei Prozent drücken soll.

Für S&P ist das unrealistisch. ,,Die Zeit läuft davon, und die Märkte verlieren die Geduld. Wenn Zapatero jetzt nicht reagiert, wird er selbst das größte Risiko für die spanische Wirtschaft sein", schrieb das Finanzblatt ,,Expansión".