Mittlerweile ist durchgesickert, dass der Haushalt an einigen Stellen nach wie vor mit dem Rotstift geschrieben wurde. Empfindlich getroffen fühlen sich derzeit vor allem landesweit agierende Jugendverbände, deren Etat Sozialministerin Helma Orosz (CDU) um 400 000 Euro kürzen will - mithin mehr als zehn Prozent der bisher 3,7 Millionen Euro.
Peter Becker, Geschäftsführer des Kinder- und Jugendringes Sachsen (KJRS), warnt nun vor "verheerenden Folgen". Bis zu 20 der landesweit 50 Personalstellen seien akut gefährdet. "Viele Angebote der Jugendbildung brechen damit weg”, sagt Becker. Ehrenamtliche Mitarbeiter vor Ort seien weder bereit noch in der Lage, Förderanträge bei Land, Bund und EU zu stellen. Ohne die Dachverbände könnten viele Angebote daher nicht mehr aufrechterhalten werden.
Becker hofft nun auf den Landtag, der die Kürzungspläne noch stoppen könnte. Mit der Aktion "Jugend braucht Dächer" will er um Unterstützung werben. Bei Freya-Maria Klinger, der jugendpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, rennt er offene Türen ein. "Wir lehnen den Abbau definitiv ab", sagt Klinger. Die Jugendarbeit habe schon zu viele Kürzungen erlitten. "Die Verbände arbeiten längst an der Schmerzgrenze, eigentlich müsste es Erhöhungen geben", sagt Klinger dazu.
Doch an der CDU-SPD-Koalition dürften sich die Betroffenen ihre Zähne ausbeißen. Jugendpolitiker wie Lars Rohwer machen den Verbänden zumindest keine große Hoffnung. "Wir haben seit Jahren angekündigt, dass die Förderung angepasst werden muss", sagt Rohwer, "der Status Quo kann nicht ewig fortgeschrieben werden." Der CDU-Mann meint damit nicht nur Bevölkerungsrückgang und schrumpfende Haushalte, sondern auch die Geldverteilung in der Jugendarbeit. "Wir fragen uns, was von dem Geld bei den Jugendlichen vor Ort noch ankommt. Viele fühlen sich allein gelassen, da nutzt die beste Landesebene nichts", sagt Rohwer. Nicht umsonst hätten einige Stadt- und Kreisjugendringe in Sachsen bereits einen eigenen Dachverband gegründet.
Als Moderator zieht sich indes der kleine Koalitionspartner SPD aus der Affäre. "Wir haben das Sozialministerium gedrängt, sich mit den Betroffenen an einen Tisch zu setzen und die Absichten zu diskutieren", sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Martin Dulig. Die Kürzungen bedeuteten keinen Kahlschlag und seien auch nicht vom Himmel gefallen, sondern seit Jahren angedroht. Nun müsse so gespart werden, dass kein Schaden entstehe.
Tatsächlich wurde jetzt im Ministerium ein Krisengespräch mit Sozial-Staatssekretär Albert Hauser für den 22. August angesetzt. Über die Teilnehmer hält sich das Haus indes in Schweigen. KJRS-Chef Becker ahnt auch warum: Geladen seien nur diejenigen Verbände, die noch in diesem Herbst ihren Mitarbeitern kündigen sollten.