(dpa/roe) Obdachlosigkeit wird auch in Brandenburg immer mehr zum Problem. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Die Anzahl der Menschen, die keine Wohnung haben oder ihre Wohnungen verlassen müssen, steigt an“, sagt der Potsdamer Stadtsprecher Jan Brunzlow. Die Landeshauptstadt biete 247 Plätze für obdachlose Menschen in ihren Einrichtungen. „Die Plätze werden gut genutzt“, sagt der Sprecher.

Neben einem Obdachlosenwohnheim mit 95 Plätzen am Lerchensteig, das durch die Arbeiterwohlfahrt betrieben wird, gebe es ein spezielles Angebot namens „Junge Wilde“ für jugendliche Obdachlose mit einer Kapazität von 24 Plätzen. Daneben ein Familienhaus mit 60 Plätzen, zahlreiche Notbetten sowie 17 Gewährleistungswohnungen mit 53 Plätzen. Letztere mietet die Stadt selbst an, um darin Wohnungslose unterzubringen.

Dazu ist die Kommune auch verpflichtet, wie Ina Zimmermann, Referentin für Armutsbekämpfung, Wohnungslosenhilfe und Soziale Dienste im Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, informiert. Sie leitet die Arbeitsgruppe „Wohnungslosigkeit“ in der Landesarmutskonferenz. Die Gruppenarbeit ruhe jedoch derzeit.

In Kommunen mit Kreisangehörigkeit ist es noch schwieriger. „Dort ist es auch ein Problem der Zuständigkeiten“, sagt Zimmermann. Denn für die Hilfe, aus der Wohnungslosigkeit herauszufinden, seien wiederum die Kreise zuständig. Das Zusammenspiel funktioniere aber selten.Entsprechend könnten Initiativen von Kommunen in Kooperation mit Wohlfahrtsverbänden oft nur „punktuelle“ Erfolge erzielen. „Wir bohren von unten, es fehlt aber an fachlicher und finanzieller Unterstützung durch das Land“, sagt die Referentin.

Das Problem sei, dass das Problem im Land überhaupt nicht erkannt werde. „Das Thema Wohnungslosigkeit hat in Brandenburg bei weitem nicht den Stellenwert wie in Berlin“, sagt Zimmermann. Dabei nehme es spürbar zu, wie sie aus Gesprächen mit ihren Mitgliedsorganisationen erfahre. Betroffen seien auch immer häufiger junge Menschen. Psychische Erkrankungen, Drogenabhängigkeit oder traumatische Erlebnisse sind der Referentin zufolge die wichtigsten Ursachen für diesen sozialen Abstieg.

Andererseits gebe es in Potsdam auch wohnungslose Menschen, die keine Hilfe annehmen und immer draußen schlafen. „Diese werden im Auftrag der Stadt durch Sozialarbeiter betreut“, erklärt der Sprecher.

Streetworker nehmen sich auch der Obdachlosen in Cottbus an, wie eine Stadtsprecherin berichtet. Dort sind der Stadtverwaltung aktuell weniger als fünf Personen bekannt, die aufgrund fehlender eigener Übernachtungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum nächtigen. „Hinzu kommen Personen, welche aus gleichem Grund das Obdachlosenhaus des Deutschen Roten Kreuzes nutzen“, sagt sie. Das seien dieses Jahr bisher durchschnittlich neun Personen im Monat gewesen.