Ziel ist es, in diesen Fächern auch Kompetenzen wie die Fähigkeit zum eigenständigen Arbeiten, sprachliches Ausdrucksvermögen und Kommunikationsfähigkeit sowie wissenschaftliche Arbeitsweisen zu vermitteln. Während die Grünen das Konzept lobten, kritisierte die FDP, die Reform gehe zulasten der Allgemeinbildung und mache das Abitur komplizierter. Der Koalitionspartner CDU bezog zunächst keine Stellung zum Inhalt des Konzepts, kritisierte aber das "öffentliche Vorpreschen" der SPD.

Bessere Studienvorbereitung
Der Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion, Martin Dulig, sagte in Dresden bei der Vorstellung des Programms, durch die Reformen sollten die Schüler besser auf das Hochschulstudium vorbereitet werden. Während nach dem SPD-Entwurf die Basiskurse für alle Schüler vorgesehen sind, können die Gymnasiasten selbst wählen, in welchem Fach sie Vertiefungskurse belegen wollen. Die Angebote haben laut Dulig Seminarcharakter.
Ferner sieht das Programm jahrgangs- und fächerübergreifenden Unterricht vor. Grund- und Leistungskurse soll es weiterhin etwa in den musischen Fächern sowie in den Naturwissenschaften geben. Letztere sollen zudem bereits ab der 10. Klasse deutlich gestärkt werden und in der 11. und 12. Klassenstufe mehr auf selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten setzen. Schulen erhalten laut Dulig zugleich mehr Eigenverantwortung bei der Ausgestaltung ihres Lehrangebots.

Uneingeschränkte Fächerwahl
Dulig betonte, es müsse möglich sein, das Programm mit der derzeitigen Lehrerzahl an den Gymnasien sowie mit den bislang zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln umzusetzen. "Es darf nicht mehr kosten", verdeutlichte er. Das Konzept komme zugleich ohne eine Rückkehr zum Klassenverband und ohne Einschränkungen bei der Fächerwahl in der Oberstufe aus. Vertreter von SPD, CDU und des Kultusministeriums wollen bei einem Treffen am 31. August über die Reform der Oberstufe und den SPD-Entwurf beraten.
Der FDP-Bildungsexperte Torsten Herbst bemängelte, das SPD-Konzept mache das Oberstufensystem komplizierter, ohne die Qualität zu erhöhen. Auch sei ein breites Kurssystem wegen der rückläufigen Schülerzahlen nicht mehr haltbar. Schon jetzt funktioniere es in ländlichen Regionen nur eingeschränkt.
Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau sagte, der von der SPD geplante Erhalt des Kurssystems mit der Möglichkeit, Leistungskurse frei wählen zu können, sei besser dafür geeignet, möglichst viele Schüler auf hohem Niveau zum Abitur zu führen als der vom Kultusministerium bevorzugte starre Klassenverband. Die Wahlfreiheit im Kurssystem stärke die Selbstständigkeit der Schüler. Der CDU-Schulexperte Thomas Colditz warf der SPD einen Alleingang vor. Ein "derartiges öffentliches Vorpreschen" gefährde die Kompromissfindung bei dem Treffen Ende August.