Die Abweichler, jeweils vier an der Zahl, hielten sich in Grenzen und kamen im Übrigen stets von der Linkspartei. Bei den Sozialdemokraten blieben die Reihen geschlossen. Dabei waren die Angelegenheiten, um die es ging, durchaus delikat. Einmal wurde mehrheitlich beschlossen, die Millionenforderungen des Unternehmers Peter Niedner nicht in einem Schlichtungsverfahren zu bearbeiten, sondern weiter auf die Gerichte zu hoffen. Im Laufe der letzten Jahre hatten auch Sozialdemokraten wiederholt auf die damit verbundenen zusätzlichen finanziellen Risiken verwiesen. Jetzt erzwang die Opposition einen Offenbarungseid der Volksvertreter. Sollte Niedner gewinnen, ist auch die ganze junge Garde der SPD politisch schadenersatzpflichtig. Denn die hat Disziplin bewiesen und brav mitgestimmt. Dann stand noch die Frage zur Wahl, welche Mehrheit den Präsidenten des Verfassungsgerichts bestimmen soll – die einfache oder die unter Mitwirkung der Opposition. Wohl dabei war selbst dem Fraktionsvorsitzenden der SPD, Ralf Holzschuher, nicht. Er sagte gleich nach der Abstimmung in einer Erklärung, man habe jetzt zwar gegen die Opposition gestimmt, wolle die aber natürlich im Boot, wenn es um den höchsten Richter des Landes gehe. Auch bei dieser Frage war bei der SPD noch nicht einmal ein Ansatz von rebellischem Nachwuchs zu erkennen. Alle blieben brav.

PS: Justizminister Volkmar Schöneburg war erkennbar kein Freund der von der Koalition erzwungenen Entscheidungen. Vielleicht erklären sich auch deswegen die jeweils vier Nein-Stimmen von der Linkspartei. Da zählt ja Solidarität.