Der Tenor unmittelbar nach dem ersten, seit Tagen mit Spannung erwarteten TV-Duell zwischen Silvio Berlusconi und Romano Prodi war einstimmig: "Langweilig", lautete das Schlagwort der Kommentatoren. Die meisten gaben den strengen, am amerikanischen Muster orientierten Duell-Regeln die Schuld an der drögen Debatte, bei der keiner der beiden Kontrahenten es schaffte, ein klares Wahlprogramm zu präsentieren. Dennoch gab es einen Gewinner: Oppositionsführer Romano Prodi wirkte bei dem Match wesentlich souveräner und optimistischer als der Regierungschef. "Punktsieg für Prodi", titelte denn auch die Zeitung "La Repubblica" am Tag nach dem Polit-Spektakel.
"Das war ja wie im Wachsfigurenkabinett. Ich bin enttäuscht von der Methode", erklärte der sichtlich mit bräunlichem Make-up gestylte Berlusconi nach der gut 90-minütigen Sendung. Tatsächlich verlief die Show im Vergleich zum üblichen Gezeter und Geschrei in italienischen Polit-Sendungen erstaunlich still. Kritiker sahen sich unterdessen darin bestätigt, dass der Ministerpräsident und Medienunternehmer seine sprichwörtliche Selbstsicherheit verliert, wenn er strengen Regeln unterworfen wird: "Dann ist er wie ein verwundetes Tier, das sich aufregt und nur noch Spannung, Nervosität und Unbehagen ausstrahlt", schrieb eine Zeitung.

"Mehr Zukunft, weniger Zahlen"
Tatsächlich wurde der normalerweise smart-spritzige Berlusconi im Lauf der Sendung, bei der er jeweils nur 150 Sekunden Zeit für seine Antworten hatte, sichtlich unsicher. Kaum mehr hob er den Blick, selten schaute er direkt in die Kamera und kritzelte dabei fast ununterbrochen auf einem Schreibblock herum. "Ich hätte mehr von der Zukunft sprechen und weniger Zahlen zitieren sollen", gestand er seinen Vertrauten später ein. Journalisten kritisierten das Duell denn auch als "Präsentation eines Italiens der Vergangenheit".
Besonders Berlusconi rühmte fast ausschließlich die Verdienste seiner fünfjährigen Regierung, statt ein neues Programm für die desaströse Finanzlage seines Landes vorzustellen. Mehrmals musste der "Schiedsrichter" - RAI-1-Nachrichtenchef Clemente Mimun - den Regierungschef unterbrechen, weil er die festgelegten Redezeiten nicht einhielt.
Prodi - der wegen seiner akademischen Laufbahn auch gerne "Il Professore" genannt wird - versuchte immerhin noch, Optimismus auszustrahlen und seinen Lands-leuten Hoffnung zu machen. "Ich möchte, dass besonders die jungen Menschen in unserem Land wieder Hoffnung haben können. Ich habe vor, Italien wieder auf Kurs zu bringen", erklärte er. "Lassen Sie uns von der Zukunft reden, sonst gehen die Zuschauer ins Bett", forderte er seinen Gegner auf. Mit typisch italienischen Handbewegungen, freundlicher Mimik und dynamischer Wortwahl spielte er seinen unsicher gewordenen Gegner mehr und mehr an die Wand.

Fußball schlägt Politik
Die Menschen auf der Straße schien das ganze Brimborium rund um das "Duell der Giganten" unterdessen am Tag drauf kaum noch zu interessieren. Fußball war das vorherrschende Thema in Bussen, Bahnen und Bars - wie immer. Dennoch: Immerhin 16 Millionen Italiener hatten die Wahl-Show live an den Bildschirmen verfolgt. "Und es ist nicht tröstlich zu wissen, dass einer dieser beiden Herren unser Land regieren wird", sagte ein junger römischer Wähler.