Für Schurig war 2011 ereignisreich. Im Frühjahr sorgte die von der EU angeordnete Volkszählung „Zensus 2011“ für Aufregung. Im Sommer stellte sich heraus, dass Sachsens Sicherheitsbehörden Handydaten von Bürgern vorliegen, die sich im Februar in der Nähe der Dresdner Demos gegen Neonazis aufgehalten hatten. Der Streit über die Verhältnismäßigkeit dieser Aktion ist noch nicht durch. Schurig wollte ihn gestern nicht erneut anfachen, griff stattdessen zu der Jahresendaussage: „Politik und Verwaltung neigen im Inneren dazu, moderne und verfügbare Datenverarbeitungs-Technologien einzusetzen, um den Menschen nach dem Motto ,mehr Technik, weniger Kriminalität' Sicherheit zu vermitteln.“ Das gilt für polizeiliche Videoüberwachung in der Öffentlichkeit, aber auch für Funkzellenabfragen. Prekär ist laut Schurig, dass dabei unbescholtene Personen miterfasst werden.

Bezüglich der Videoüberwachung lobte er aber Sachsen. So werde der öffentliche Raum weniger gefilmt als in anderen Bundesländern. Dennoch sollte eine installierte Überwachungskamera kein Dauerzustand sein. In der Prager Straße in Dresden wurde 2011 die Überwachung ausgesetzt, weil laut Datenschützer die Einkaufsmeile kein Kriminalitäts-Schwerpunkt mehr sei.

Auch nichtöffentliche Stellen setzen ihr Sicherheitsbedürfnis gern per Kamera um. Sei es im Freizeitbad oder auf Privatgrundstücken. Das greift um sich und ist in vielen Fällen schlichtweg verboten. Besonders dann, wenn eine nicht-öffentliche Stelle den öffentlichen Verkehrsraum mitüberwacht. Ein Hauseigentümer etwa, der aus dem drehbaren Vogelhäuschen sein Grundstück, das des Nachbarn und die Straße filmt, muss mit Bußgeld rechnen. So waren 2011 alleine in Sachsen rund 31 000 Euro fällig, davon 24 000 im nicht öffentlichen Bereich.

Laut Schurig sind zudem Bildüberwachungen von Demos „im Hinblick auf den Einschüchterungseffekt für die Versammlungsteilnehmer nur bei besonderer Rechtfertigung unter strenger Beachtung des Verhältnismäßigkeits-Grundsatzes“ zulässig. Die Frage der Verhältnismäßigkeit bei der Dresdner Handydatenabfrage ist in Schurigs Bericht bis Ende März nicht mehr inbegriffen. Grund: Die Affäre um über eine Million Datensätze, die von mehreren Behörden eingefordert wurden, kam erst im Sommer auf.