Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi sprach gestern von einem "provokativen" Verhalten, nachdem Nordkorea nach Angaben der IAEO, der Internationalen Atomenergie-Organisation, rund 400 neue Brennstäbe in einen Versuchsreaktor transportiert hatte. Der Reaktor nördlich von Pjöngjang kann waffentaugliches Plutonium herstellen.
Der scheidende südkoreanische Präsident Kim Dae Jung sagte bei einem Treffen seines nationalen Sicherheitsrates, Südkorea müsse mit China, Russland, der Europäischen Union, den USA und Japan enger zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass "eine Krise auf der koreanischen Halbinsel entsteht".
Die Bundesregierung äußerte sich besorgt zu Berichten über weitere Schritte zur Wiederaufnahme des nordkoreanischen Atomprogramms. Eine Belieferung von bislang gesperrten Atomanlagen mit Brennstäben wäre "ein erneuter eklatanter Verstoß Nordkoreas gegen den Nichtverbreitungsvertrag" und andere Verpflichtungen, heißt es in einer gestern veröffentlichten Erklärung Joschka Fischers. Der deutsche Außenminister rief Nordkorea auf, diesen Vertrag, das mit den USA 1994 abgeschlossene Rahmenabkommen sowie die Regeln der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO) "ohne Abstriche, unverzüglich und unzweideutig zu erfüllen". Die nordkoreanische Regierung müsse alle Aktivitäten einstellen, die diese Verpflichtungen verletzten.
Der russische Vize-Außenminister Alexander Jakowenko rief Pjöngjang und auch Washington auf, das Problem umgehend zu bereinigen. Er sagte der Agentur Itar-Tass: "Wir erwarten von allen Parteien die Erfüllung aller Verpflichtungen, unter anderem der Rahmenvereinbarung zwischen Nordkorea und den USA aus dem Jahr 1994". Es müsse dringend ein friedlicher und konstruktiver Dialog begonnen werden, um die Probleme zu lösen, die "bei vielen Staaten der Region tiefe Besorgnis hervorrufen".
In dem Abkommen von 1994 hatten Washington und Pjöngjang vereinbart, dass Nordkorea sein Atomprogramm einstellt und dafür von den USA zwei neue Reaktoren und auch Brennstoff-Lieferungen erhält.
Radio Pjöngjang warf laut der südkoreanischen Agentur Yonhap den USA und anderen Ländern gestern vor, die falsche Behauptung zu verbreiten, Nordkorea wolle Atomwaffen entwickeln. Man brauche die Atomanlagen, um das Stromproblem zu lösen, nachdem die USA ihre Öllieferungen kürzlich eingestellt hatten, hieß es in dem Bericht.
In der vergangenen Woche hatte Nordkorea die Versiegelung von rund 8000 verbrauchten Brennelementen in dem 90 Kilometer nördlich von Pjöngjang gelegenen Atomreaktor Yongbyon aufgebrochen. Die Brennelemente enthalten nach Angaben der IAEO eine "bedeutende Menge" waffentauglichen Plutoniums. Es dürfte jedoch mindestens ein bis zwei Monate dauern, bis sie eingesetzt sind und der Reaktor angefahren werden kann.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte Nordkorea zu Beginn der Woche gewarnt, den Irak-Konflikt für sein eigenes Streben nach Massenvernichtungswaffen zu nutzen. Die USA seien in der Lage, in zwei bedeutenden Regionalkonflikten zu kämpfen und sie zu gewinnen. (dpa/uk)