Die demografische Erhebung wird voraussichtlich bis Ende Januar 2003 abgeschlossen sein, sagte Institutsdirektor Dietrich Scholze in einem Gespräch.
Dem kleinsten slawischen Volk gehen statistisch gesehen jährlich etwa 1000 Muttersprachler verloren. In der Niederlausitz beherrschten vermutlich noch rund 7000 Menschen die Sprache der Minderheit.
Etwa 80 Prozent davon seien bereits über 60 Jahre alt. Die Zahl der Sorben in der Oberlausitz könnte zwischen
25 000 und 30 000 liegen. Nach einer Schätzung des Instituts von 1987 war von insgesamt 60 000 Sorben ausgegangen worden, die zu etwa einem Drittel im südbrandenburgischen Raum und zu zwei Dritteln in Ostsachsen leben. In der Niederlausitz sieht Scholze sogar große Gefahr, dass das Niedersorbische als lebendige Sprache in wenigen Jahrzehnten ausstirbt.
Um die fortschreitende Assimilation zu stoppen, sei die staatliche Förderung von Sprache und Kultur des slawischen Volkes künftig umso wichtiger, machte der Institutsdirektor deutlich. Das Sorbische habe inzwischen über die Familie hinaus kaum noch Raum im Alltag.
Hinzu komme, dass aus ökonomischen Gründen vor allem viele junge Menschen abwanderten. Ein großes Problem für die Sorben sei die Mischehe, weil die Eltern in solchen Familien zu 80 Prozent deutsch mit ihrem Nachwuchs sprechen. Das Witaj-Projekt hält Scholze deshalb für einen entscheidenden Ansatz zur Erhaltung der Sprache. Das Modell soll die Zweisprachigkeit bereits im Kindergartenalter fördern.
Ein Phänomen gebe es dagegen unter den katholischen Sorben in der Oberlausitz. Sie hätten sich durch die nationale Identität und die konfessionelle Bindung doppelt abgegrenzt, so dass sich ihre Zahl über Jahrhunderte nur unwesentlich verändert habe. (dpa/bra)