Gleich um die Ecke befindet sich das Witaj-Sprachzentrum und am anderen Ende der Innenstadt das Sorbische Museum. Dicht an dicht liegt im sächsischen Bautzen eine Vielzahl von kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die sich der Sprache, Geschichte und Kultur dieses slawischen Volkes widmen.
Seit mehr als 1500 Jahren leben die Sorben in der Ober- und der Niederlausitz. "Die großflächige Abbaggerung der Dörfer für die Braunkohle zu DDR-Zeiten und die Abwanderung nach der Wende haben den Prozess der Assimilation jedoch stark beschleunigt", sagt der Geschäftsführer der sorbischen Dachorganisation Domowina, Bernhard Ziesch.
Nach Erhebungen des Sorbischen Instituts gehören heute noch etwa 60 000 Menschen im Osten Sachsen und im Süden Brandenburgs der offiziell anerkannten nationalen Minderheit an. Eine gemeinsame Stiftung des Bundes, des Freistaats Sachsen und des Landes Brandenburg kümmert sich um ihre Anliegen. Sie sorgt dafür, dass täglich eine sorbische Zeitung erscheint, dass Theaterstücke in Ober- und Niedersorbisch auf die Bühne kommen und dass sorbische Autoren in ihrer Muttersprache publizieren können. Im November 1991 in Lohsa bei Weißwasser gegründet, begeht die Stiftung heute mit einem Festakt im Sorbischen Museum in Bautzen ihr 15-jähriges Bestehen. Festredner ist Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU).

Jährliche Förderung
Etwa 16 Millionen Euro stehen der Stiftung pro Jahr zur Verfügung. Das Geld kommt vor allem neun großen sorbischen Institutionen zugute. An sie gehen nach eigenen Angaben 90 Prozent des Etats. Größte Zuwendungsempfänger sind das Bautzener Theater, das mit seinem deutsch-sorbischen Programm die einzige zweisprachige Profibühne in Deutschland ist, sowie das Sorbische National-Ensemble, dessen Musiker und Tänzer mit ihren Folklore-Programmen europaweit auf Tournee gehen.
"Generell ist es unser Anliegen, die sorbische Sprache und Kultur zu fördern und zu erhalten, deshalb haben wir neben der professionellen Arbeit immer auch ehrenamtliche Initiativen unterstützt", sagt Ziesch, der auch Mitglied des Stiftungsrates ist. Insgesamt 240 Millionen Euro wurden seit Gründung der Stiftung für das geistige und kulturelle Leben der slawischen Minderheit bereitgestellt. Zugleich steht die Stiftung unter Spardruck, da Sachsen als einziger der Geldgeber die Fördersumme seit 1998 konstant gehalten hat. Sowohl der Bund als auch Brandenburg haben ihr finanzielles Engagement im Laufe der Jahre verringert. Um 20 Prozent ging der jährliche Etat nach Stiftungsangaben seit 1992 zurück.

Kampf um mehr Mittel
"Die Zahl der Stellen an den sorbischen Institutionen mussten wir seit der Gründung um 40 Prozent reduzieren, die Sprachschule in Milkel und das Haus für Sorbische Volkskultur in Bautzen wurden geschlossen", berichtet Ziesch über die Folgen. Auch der scheidende Stiftungsratsvorsitzende Christian Baumgärtel mahnt dringend ein neues Finanzierungsabkommen zwischen den Geberländern an.
Allerdings stand auch die Stiftung selbst immer wieder im Blickpunkt. Kritiker wie der Chefredakteur von "Serbske Nowiny", Benedikt Dyrlich, fordern mehr Geld für die sorbischen Vereine und die Arbeit an der Basis. Außerdem bezweifeln sie aufgrund privater und beruflicher Verflechtungen die Unabhängigkeit des Stiftungsrates.
Auch der sächsische Rechnungshof hatte die Organisation mehrfach im Visier. So mahnten die Prüfer eine effektivere Verwendung der Gelder an und stellten fest, dass etliche Stiftungsmitarbeiter zu hoch bezahlt wurden. "In unserem aktuellen Jahresbericht spielt die Stiftung aber keine Rolle mehr. Sie ist ein positives Beispiel, wie angemahnte Verbesserungen umgesetzt werden", sagt Rechnungshof-Präsident Franz Josef Heigl.