Im Streit um die Lausitzer Hochschulen haben sich nun auch die Sorben und Wenden zu Wort gemeldet. Eine Woche vor der abschließenden Behandlung des Gesetzes im Plenum des Brandenburger Landtags beklagte das Mitglied des Sorben- und Wendenrates, Torsten Mak, im Wissenschaftsausschuss des Landtags, dass die Lausitzer Sorben in die bisherigen Beratungen der Hochschulneugründung nicht einbezogen wurden, obwohl die neue Hochschule in ihrem Siedlungsgebiet liege.

"Dabei wird in diesem Gesetzestext sehr oft Bezug darauf genommen, dass es wichtig sei, die Hochschule in der Region zu verankern", so Mak. Auch sorge er sich um die Kooperationspartner an den bisherigen Hochschulen: So gäbe es etwa Abkommen zwischen der BTU und der Domowina oder dem Niedersorbischen Gymnasium Cottbus, die durch eine Fusion möglicherweise in Gefahr gerieten. "Das Land bekennt sich ja auch zu einer Förderung der Sorabistik", so Mak. "Wenn das an Brandenburger Universitäten keinen Ausdruck findet, finde ich das traurig", ergänzte der Ratsvorsitzende.

Die Bedenken der Wenden und Sorben wurden freilich von Forschungsministerin Sabine Kunst (parteilos) relativiert. Die geplante Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg trete in die Rechtsnachfolge aller Verträge ein, die ihre Vorgängerinstitutionen geschlossen hätten. Eine Sorabistik könne sie sich an der BTU allerdings nicht vorstellen, erklärte Kunst. "Eine Philologie wie die Sorabistik ist an einer technisch orientierten Universität nicht angesiedelt."

Verständnis für die Empörung Maks, erst in letzter Minute seine Bedenken vorbringen zu können, äußerten auch die Vertreter von Linkspartei und Grünen, Gerrit Große und Marie-Luise von Halem. "Dafür bitte ich um Entschuldigung", so Große.

Die Stellungnahme des Sorbenrates blieb freilich die einzige Überraschung der Routinesitzung. Mit den Stimmen der Regierungskoalition und der FDP beschloss der Ausschuss die am Dienstag vom wissenschaftspolitischen Sprecher der Linken, Peer Jürgens, vorgestellten Änderungsanträge zum Neubildungsgesetz – die Gremien der Universität haben nun mehr Zeit als bisher geplant, um sich zu konstituieren und einige Fachhochschulprofessoren erhalten ein Promotionsrecht bei reduzierten Lehrverpflichtungen.

Und auch zwei Anträge der FDP wurden mit Unterstützung des Regierungslagers verabschiedet: So enthält das Hochschulgesetz eine Experimentierklausel, die das Wissenschaftsministerium ermächtigt, noch kurzfristig abweichende Regelungen zur Stärkung der Lausitzer Universität treffen zu können.

Bei den beiden anderen Fraktionen stieß das auf Kritik: "Die Anträge sind zwar alle zustimmungsfähig, aber so kleinteilig, dass ich mich enthalten werde", sagte die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Marie-Luise von Halem. Und der aus Cottbus stammende CDU-Landesvorsitzende Michael Schierack sprach von einem "schlechten Versuch einer rot-roten Wiedergutmachungstaktik": Auch die nachträglichen Anträge änderten nichts daran, dass die CDU die Fusion ablehne.

Zum Thema:
70 Hochschullehrer der BTU Cottbus haben den Potsdamer Landtag aufgefordert, das Gesetz zur Neustrukturierung der Hochschulregion Lausitz abzulehnen. Die Unterzeichner eines Offenen Briefes an den Ministerpräsidenten und die Landtagsabgeordneten sind davon überzeugt, dass das geplante Gesetz – welches die Neugründung einer BTU Cottbus-Senftenberg vorsieht – "dem Land schweren Schaden zufügt". In dem Schreiben wird unter anderem auf schwerwiegende Fehler im Bericht der Lausitz-Kommission und auf einen "überheblichen und ignoranten Umgang mit anderslautenden Urteilen von Fachleuten und Fachgremien" durch das Ministerium hingewiesen. Der Brief endet mit dem Verweis darauf, dass Brandenburg "kein weiteres taumelndes Großprojekt" brauche. taDen Wortlaut lesen Sie auf: lr-online.de/energieuni