"Es sollte in der Lausitz selbstverständlich sein, dass dem zweisprachigen Charakter der Region auch in der Verwaltung Rechnung getragen wird", sagte Buttolo gestern im Anschluss an ein Treffen mit dem Vorsitzenden des Domowina - Bund Lausitzer Sorben e. V., Jan Nuck. Allerdings wolle er, so der Minister, nicht auf Zwang, sondern auf Überzeugung setzen. "Im September werde ich die Bürgermeister der zweisprachigen Gemeinden zu einer Konferenz einladen, bei der es darum gehen soll, wie der Anteil sorbisch sprachiger Bediensteter erhöht werden kann", kündigte Albrecht Buttolo an.
Für Domowina-Chef Jan Nuck ist die Zweisprachigkeit der Verwaltung eine Forderung, die er schon seit vielen Jahren erhebt. "Die gesetzlichen Grundlagen dafür sind vorhanden, allerdings wurden sie bislang noch nicht mit Leben erfüllt", monierte er. Es sei nicht hinzunehmen, dass beispielsweise im Landratsamt Bautzen nur der Sorbenbeauftragte in der Lage sei, ein auf sorbisch vorgetragenes Anliegen entgegenzunehmen. Staatsminister Buttolo bot Unterstützung bei der Weiterbildung von Behördenmitarbeitern hinsichtlich der sorbischen Sprache an. Weiterhin, so der Minister, könne man das Beherrschen des Sorbischen bei Stellenausschreibungen zu einem Kriterium machen.
Ein weiteres Thema, das dem Domowina-Bund Lausitzer Sorben e. V. auf den Nägeln brennt, ist die um sich greifende Zerstörung sorbisch-christlicher Symbole. Jan Nuck überreichte Albrecht Buttolo eine Mappe mit Informationen zu acht beschädigten oder zerstörten Kruzifixen und Betsäulen. "Dabei handelt es sich um Vorfälle aus den Monaten März bis Juni", erklärte er. Leider sei es in noch keinem einzigen Fall gelungen, die Täter zu finden. Buttolo sicherte intensive Ermittlungen an, mahnte aber auch, solche Vorfälle schneller zu melden: "Oftmals vergeht einfach zu viel Zeit." Für Jan Nuck ein Symptom für eine um sich greifende resignative Stimmung in der sorbischen Bevölkerung - "wir lassen uns einfach zu viel gefallen und artikulieren unsere Forderungen zu leise."
Noch immer an der Tagesordnung seien zudem Anfeindungen gegenüber Sorben in der Öffentlichkeit, nicht selten auch mit rechtsextremistischem Hintergrund. Buttolo versicherte, auch dieses Thema mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu behandeln.