Für die sorbisch/wendische Minderheit hat Finanzstaatssekretärin Daniela Trochwoski (Linke) am Freitag gute Nachrichten mit nach Calau gebracht. Zum Auftakt des 11. Sorbentages der Linksfraktionen des sächsischen und brandenburgischen Landtages sagt sie, dass die Zuschüsse für die Stiftung für das sorbische Volk voraussichtlich um fast zwei Millionen Euro auf 18,5 Millionen Euro pro Jahr steigen sollen. Das seien die Ergebnisse aus den aktuellen Verhandlungen zum 3. Finanzierungsabkommen, das auf fünf Jahre angelegt ist.

Demnach trage der Bund den Löwenanteil von 9,3 Millionen Euro, 3,1 Millionen Euro steuere das Land Brandenburg bei. 6,2 Millionen Euro sollen aus Sachsen kommen. "Die Arbeit der Stiftung ist enorm wichtig, wenn es darum geht, sorbische Sprache, Kultur und Tradition zu bewahren und zu fördern", betont Trochowski, die sich zuversichtlich zeigt, dass "wir in den kommenden Wochen einen großen Schritt vorankommen".

Beim Thema Erweiterung des Siedlungsgebietes geht es derweil nicht so stolperfrei vorwärts. Bis zum 31. Mai kommenden Jahres können Brandenburger Kommunen oder der Sorben-/Wendenrat einen Antrag auf Aufnahme stellen. Bisher hat das aber nur die Gemeinde Wiesengrund aus dem Spree-Neiße-Kreis getan. In Calau, das sich vor zwei Jahren als eine der wenigen Kommunen deutlich dafür ausgesprochen hat, steht nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr wieder eine neue Stellungnahme aus.

Der Stadtverordnete und Kreis chef der Linken in Oberspreewald-Lausitz, Mario Dannenberg, glaube dennoch, dass sich das Gros für eine Aufnahme entscheidet. Das hofft auch Calaus Bürgermeister Werner Suchner (parteilos): "Ziel ist eine Mehrheit, trotz der neuen Stadtverordnetenversammlung."

Neben Calau wünscht sich die Domowina als sorbischer Dachverband auch die Aufnahme von Forst, Lübben und Senftenberg. Diese drei Städte stünden auf der Prioritätenliste ganz oben, sagte Regionalsprecherin Ute Henschel. Doch bei Gesprächen mit Bürgermeistern, Abgeordneten oder Ortsbeiräten stoße sie oft auf Unwissenheit, Intoleranz und Desinteresse. "Es ist ein ziemlich schwieriges Agieren", erklärt sie.

Nicht einfach gestalte sich die Situation zum Beispiel in Senftenberg, wo sich die Stadtverordneten vor zwei Jahren gegen eine Aufnahme entschieden. Und in Forst habe sie den Eindruck, dass ein aufgeschlossener Bürgermeister Philipp Wesemann (SPD) seine Stadtverordneten nicht hinter sich weiß. "Es wird ein zäher Kampf", glaubt Henschel.

Immerhin für Lübben, das sich 2013 teils ablehnend geäußert und über eine Aufnahme nicht abgestimmt hatte, erwarte sie mit dem neuen Bürgermeister Lars Kolan (SPD) ein positives Votum. Dort stehe ein möglicher Antrag am 29. Oktober bei der Stadtverordnetenversammlung zur Wahl.

Dass das Thema sorbisches Siedlungsgebiet in einigen Kommunen nicht unbedingt zu den beliebtesten zählt, bestätigt der Linken-Landtagsabgeordnete Stefan Ludwig. "Es ist anstrengend und manchmal auch irre, was man da zu hören bekommt." Auch Meto Nowak vom Brandenburger Bildungsministerium habe solche Reaktionen erhalten. "Die Diskussionsniveaus sind sehr unterschiedlich", sagt er. "Das, was zurzeit in der Debatte passiert, ist befremdlich und ärgerlich", findet Domowina-Chef David Statnik. Ähnliche Erfahrungen habe die sächsische Landtagsabgeordnete Kathrin Kagelmann (Linke) in ihrem Landkreis Görlitz gemacht. Im Gegensatz zu Brandenburg gibt es in Sachsen allerdings ein gesetzlich festgeschriebenes Siedlungsgebiet.

Zum Thema:
Dass sich das historische Siedlungsgebiet der Sorben (siehe Grafik) im Zuge der Verwaltungsstrukturreform 2019 zu einem eigenen Landkreis formen könnte, wird von Minderheiten-Vetretern als nicht sinnvoll erachtet. Der Sorbenbeauftragte des Dahme-Spreewald-Kreises Dieter Freihoff warnt: "Wir wären ein bettelarmer Kreis." Er vermute außerdem, dass sich das Land Brandenburg aus der Verantwortung schleichen könnte und versuchen würde, Aufgaben an einen Sorbenkreis zu delegieren.