Nach seinen Angaben stehen zwei Modelle zur Diskussion: Ein direkt von allen sich als Sorben bekennenden Personen gewähltes sorbisches Parlament oder ein auf dem Prinzip der Minderheitenselbstverwaltung aufbauendes System.

Letzteres orientiert sich an der von der deutschen Minderheit in Ungarn praktizierten Selbstverwaltung. „Dort muss, wenn sich in einer Kommune eine bestimmte Anzahl von Angehörigen der Minderheit in eine Wählerliste einträgt, eine Wahl durchgeführt werden. Das so gewählte Gremien hat das Recht, im Gemeinderat angehört zu werden und sein Veto gegen die Minderheit betreffende Entscheidungen einzulegen“, erklärt Martin Walde, obersorbischer Sprecher der Initiative. Auf diesen lokalen Vertretungen basierend, kann dann auch die Wahl zu einem übergeordneten Gremium – dem „Serbski Sejmik“ – erfolgen.

Ehrenamtliches Parlament

Dieser besteht nach den Vorstellungen der Initiative aus etwa 30 ehrenamtlichen Ratsmitgliedern und bestimmt aus seinen Reihen einen Vorsitzenden, der gleichzeitig hauptamtlich die Geschäfte führt. Der Serbski Sejmik soll die politische Interessenvertretung der Sorben übernehmen und Vertreter in Gremien (zum Beispiel Rundfunkräte) entsenden. Außerdem soll ihm demnach das Recht zustehen, auch die Vergabe von Fördermitteln zu steuern.

Der Idee, an Stelle des sorbischen Parlamentes den Domowina-Bund Lausitzer Sorben zu stärken, erteilt die Initiative eine Absage. „Die Domowina soll weiterhin eine wichtige Rolle im kulturellen Bereich spielen, die hoheitlichen Aufgaben gehören jedoch in die Hand einer demokratisch legitimierten Körperschaft“, betont Martin Walde. Die Frage der Wahlberechtigung glaubt man mit der These beantworten zu können, „dass bereits die Teilnahme an der Wahl ein Bekenntnis zum sorbischen Volk darstellt“. Die Gefahr, dass diese sehr offene Interpretation auch „unerwünschte“ Personen mit unlauteren Absichten anlockt, „muss eine Demokratie aushalten“ – so zumindest heißt es in einem am 27. September in Schwarzkollm verabschiedeten Positionspapier.

Werben für das Vorhaben

In den vergangenen Monaten warben Vertreter der Initiative in zahlreichen Gemeinderäten und bei politischen Entscheidungsträgern für ihr Vorhaben. „Dabei stießen wir überwiegend auf offene Ohren“, wie Mitglied Thomas Zschornak erklärt. Lediglich in Boxberg (Kreis Görlitz) habe es „Missverständnisse“ gegeben, weil sich die anwesenden Mitglieder der Domowina-Ortsgruppe „angegriffen“ fühlten.

Dass sich mittlerweile auch an der Basis des Bundes Lausitzer Sorben Veränderungswillen regt, bestätigt Benno Paschke, Vorsitzender der Ortsgruppe Panschwitz-Kuckau (Kreis Bautzen): „Von einer verstärkten Präsenz der Domowina in den Kommunen, wie auf der Hauptversammlung im März beschlossen, ist nichts zu spüren. Es herrscht Sprachlosigkeit zwischen Bautzen und der Basis.“

Vertretung unbefriedigend

Die Vertretung der sorbischen Interessen vor Ort in den Kommunen durch die Domowina sei „sehr unbefriedigend. Deshalb unterstützte ich das Anliegen der Initiativgruppe.“