Was die Platzeck-Regierung im Doppelhaushalt 2005/06 an Kürzungen für die Sorbeneinrichtungen plant, stellt für die Vertreter der Minderheit einen Verfassungsbruch dar. Sowohl der Einigungsvertrag als auch die Landesverfassung sichere den Schutz und die Fortentwicklung des Sorbentums ausdrücklich zu, sagte der Geschäftsführer der Domowina (Bund Lausitzer Sorben), Bernhard Ziesch, im Potsdamer Landtagsgebäude. Weil aufgrund fehlender Mittel diese Sätze aber nicht mehr mit Leben erfüllt werden könnten, "steht die Frage im Raum, zu welchem Zeitpunkt wir den Klageweg beschreiten". Die Sorben würden "Spiele" nicht länger mitmachen.
Vorgesehen sind im Haushaltsentwurf 2005/06 Reduzierungen der Landesmittel um 112 000 Euro und die Sperrung weiterer 166 000 Euro, sagte der Vorsitzende des Sorbenrates im Landtag, Harald Konzack. Im Vorjahr hätte Regierungschef Platzeck aber zugesichert, im Falle seiner Wiederwahl Landeskürzungen nicht zuzulassen. Konzack betonte, dass dieser Wortbruch nicht der erste sei. Schon 2003 habe Platzeck gegenüber den Sorben Kürzungen ausgeschlossen, die dann aber Wirklichkeit geworden seien.
Die Debatte um die Sorbenunterstützung habe "eine neue Qualität im negativen Sinn" erreicht, betonte Konzack. Während in früheren Jahren noch sachlich in den Ausschüssen argumentiert worden sei, "habe ich diesmal nicht einmal das Wort erhalten". Einzig die PDS habe auf Rücknahme der Kürzungen bestanden, sei aber überstimmt worden.