Die Stiftung hat einen Jahresetat von 16,8 Millionen Euro zu verteilen und stößt damit an Grenzen. Wo fehlt es an Geld?

Vorrangig bei Investitionen, die bereits seit Jahren auf Eis gelegt sind. Im medialen Bereich kommen wir kaum hinterher. Technik ist heutzutage schnelllebig und teuer. Kindern und Jugendlichen müssen wir Angebote in sorbischer Sprache unterbreiten, damit sie im Netz sorbisch kommunizieren oder sich Filme in sorbischer Sprache am Computer ansehen können. Sorbischen Einrichtungen fehlt Geld, um all ihre Pläne zu verwirklichen. Beim Sorbischen Institut und beim Deutsch-Sorbischen Volkstheater hat der Stiftungsrat erst im Juni Kürzungen beschließen müssen.

Weshalb ist es offensichtlich so schwierig, Strukturänderungen durchzusetzen?

Alles, was wir besitzen, hat eine lange Tradition. Etwas zu verändern, birgt stets die Gefahr in sich, dass wir es verlieren. Traditionen spielen bei den Sorben eine ganz große Rolle.

In den vergangenen 20 Jahren hat jede der sorbischen Einrichtungen ihr spezifisches Profil entwickelt. Wer von außen kann schon beurteilen, dass dieses oder jenes Aufgabenfeld nicht mehr wichtig ist oder uns für die weitere Existenz nichts bringt. Deshalb ist dieser Prozess der gemeinsamen Konsensfindung ein mühsamer und langwieriger.

Was wünschen Sie sich für die finanzielle Zukunft der Stiftung?

Wir sind am Limit und brauchen ausreichend Geld, um sorbische Einrichtungen weiter finanzieren zu können, um unsere Chöre, Volkskunstensembles und Laientheatergruppen auch künftig unterstützen zu können. Es geht darum, das ganze Spektrum sorbischer Hochkultur zu erhalten und der modernen Zeit anzupassen: Bücher, Kompositionen, Theaterstücke, mediale Produkte, Volkstrachten.

Mit Helene Theurich

sprach Annett Böttger, dpa