Nicht nur seine Partei steht in der Wählergunst abgeschlagen da. Auch Wowereit hat schon viel bessere Zeiten erlebt.

Der derzeit dienstälteste Ministerpräsident hat den Zenit seiner Macht und Strahlkraft überschritten, urteilen nicht nur politische Gegner. Doch Wowereit wäre nicht Wowereit, wenn er nicht nochmal aus dem Popularitätstief aufsteigen wollte. Der uneheliche Sohn einer Putzfrau hat sich aus einfachsten Verhältnissen hochgearbeitet. Wowereit studierte als einziges der fünf Geschwister - Jura.

Es gibt wohl keinen anderen Länder-Regierungschef mit so vielen Facetten - einer, der deswegen oft polarisiert. Vom Tabu-Brecher ist die Rede, der gleich zu Beginn eine Koalition mit der SED-Nachfolgerin PDS wagte, vom "Regierenden Partymeister", vom profunden Kenner der Haushaltszahlen, vom strengen bis cholerischen Senatschef, vom "Sonnenkönig", vom Homosexuellen, der als erster deutscher Spitzenpolitiker den Mut hatte, sich vor seiner Wahl 2001 zu outen. Am 16. Juni 2001 kam der damals 47-Jährige durch das einzige Misstrauensvotum in der Nachkriegsgeschichte Berlins an die Macht. Die PDS mit ins Regierungsboot zu holen, brachte Wowereit schärfste Kritik ein.

Wowereit machte die SPD wieder zur führenden Regierungspartei. Auch seine Kritiker aus der Opposition bescheinigen ihm heute, dass er durch seine offene Art, sein entschiedenes Eintreten gegen jegliche Diskriminierung, sein Talent, mit Menschen jeden Alters und jeder Herkunft zu reden, Berlin zu einer der weltweit beliebtesten Metropolen gemacht hat. Seit mehreren Jahren holt Berlin auch wirtschaftlich auf.

Einer der schwärzesten Tage war für Wowereit der 6. Januar 2013. Da sickerte durch, dass sein Prestigeprojekt - die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens - zum vierten Mal verschoben werden musste. Wowereit legte den Vorsitz des Aufsichtsrates nieder. Wer ihn kennt, weiß, dass es niemanden mehr wurmt als ihn selbst, dass er die offensichtliche Katastrophe nicht rechtzeitig erkannte und verhinderte.