In den Städten drängten sich Passanten im Sommerschlussverkauf-Gewimmel um die Brunnen, in denen die Füße gekühlt wurden. An Haltestellen von Bussen und Bahnen waren die Schattenplätze ebenso knapp wie in den Straßencafés unter riesigen Sonnenschirmen. Während die Sonnenanbeter frohlockten, wird die sengende Hitze für Menschen mit einem Job im Freien immer mehr zu einer Tortur.

Lichtschutzfaktor 30
"Die Blonden haben verbrannte Haut, die dunklen Typen sind rabenschwarz", sagte Frank Kunze von der IG Bau Dresden. Er reiste über die Baustellen um die Landeshauptstadt und verteilt Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30. Landesweit wurden in der Vorwoche mehr als 600 Flaschen sowie Informationen zum Gesundheitsschutz verteilt, sagte er. "Einige Firmen haben den Feierabend um 16 Uhr eingeführt und freie Wochenenden zur Regeneration."
Zu überdenken wäre aus Kunzes Sicht eine Siesta über die Mittagszeit wie in Südländern. "Auf den Hausdächern herrschten rund 60 Grad Celsius, auf Flachdächern sogar noch mehr", sagte der Obermeister der Leipziger Dachdeckerinnung, Werner Capelle. Einzige Möglichkeit: So früh wie möglich anfangen und vor der größten Hitze wieder aufhören. "Das ist aber schwierig, weil in Leipzig Dachdeckerarbeiten erst ab sieben Uhr morgens erlaubt sind." Trotz Hitze hatte er noch von keinen Ausfällen gehört, Dachdecker seien ja in guter körperlicher Verfassung.
Die Trockenheit sorgt in den landeseigenen Parks für erhöhten Aufwand. "Rasen und Beete bedürfen der besonderen Pflege", erklärt der Sprecher der Staatlichen Schlösserverwaltung, Gottfried Dominik. Die Grünflächen werden länger besprüht, die Blumen häufiger gegossen, um ein Ausdörren und Verbrennen zu verhindern. "Das Wetter schadet uns nicht." Trotz der Temperaturen gibt es laut Dominik keine Einbrüche bei den Besucherzahlen. "Es verschiebt sich aber aus der prallen Mittagshitze in die Abendstunden."
Dagegen helfen in der Dresdner Frauenkirche auch Fächer kaum noch gegen die angestaute Wärme. Die Stiftung prüft derzeit zwei Varianten für den nachträglichen Einbau einer Art Klimaanlage. "Die wird dann aber erst im nächsten Sommer Abhilfe schaffen", sagte Sprecherin Grit Jandura. Allerdings schrecke das Klima die Besucher nicht ab. "Es ist permanent was los." Schlangen bildeten sich derzeit nur vormittags und am Nachmittag.

Weiter Besucher in Parks
Die Museen der Staatlichen Kunstsammlungen sind teils klimatisiert. Gemäldegalerie Alte Meister, Neues Grünes Gewölbe, Kupferstich-Kabinett und das Ausstellungsgebäude an der Kunstakademie haben zwischen 23 und 25 Grad Celsius. "Nur der nicht klimatisierte Deutsche Saal in der Gemäldegalerie ist wegen Temperaturen über 30 Grad geschlossen", sagte Sprecher Stephan Adam. Besucherverluste wegen der Hitze gebe es nicht. Schon im Juni, wo das Wetter ähnlich und zudem noch Fußball-Weltmeisterschaften waren, hätten die Alten Meister und das Grüne Gewölbe sogar mehr Resonanz als im Vorjahresmonat gehabt. (dpa/ta)