Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte in Osaka kaum Ausfälle und setzte seinen Aufwärtstrend fort: Olympia 2008 und die Heim-WM in Berlin 2009 können kommen - auch wenn die „Großmächte“ USA und Russland sowie Afrikas Läufer-Nationen unerreichbar bleiben.

„Der Test für Peking ist zunächst erfolgreich bestanden“, sagte der Leitende Bundestrainer Jürgen Mallow nach der neuntägigen Hitzeschlacht im Nagai-Stadion. „Osaka ist aber keine Garantie dafür, dass es im nächsten Jahr genauso geht.“

Mit sieben Medaillen (2/2/3) wurde die DLV-Bilanz von 2003 in Paris (0/1/3) und auch die von 2005 in Helsinki (1/1/3) deutlich übertroffen. Platz fünf in der Nationenwertung wird dem jungen deutschen Team Aufwind geben, doch die Werfer-Herrlichkeit reicht auf Dauer nicht: Die Laufmisere soll gestoppt werden. In Osaka waren Hindernis-Spezialist Filmon Ghirmai (16.) und Marathon-Frau Melanie Kraus (20.) - von den drei Staffeln abgesehen - die besten DLV- Athleten auf allen Laufstrecken.

Die Stars der WM kamen aus den USA: Tyson Gay schaffte als zweiter Sprinter nach seinem Landsmann Maurice Greene (1999) das Triple über 100, 200 und 4 x 100 Meter. Auch Allyson Felix gewann drei Mal Gold (200 Meter und beide Staffeln). „Das Niveau war phänomenal“, lobte Lamine Diack (Senegal), der Präsident des Weltverbandes IAAF.

Bei der Abschlussfeier am Sonntagabend übergaben die japanischen Organisatoren die Fahne der IAAF an die deutsche Hauptstadt: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, heißt es in zwei Jahren bei den 12. Titelkämpfen. Zuvor waren die letzten der insgesamt 47 Goldmedaillen vergeben worden, ganz Japan jubelte schon am Morgen über Marathon- Bronze: Beim Sieg der Kenianerin Catherine Ndereba griffen die Gastgeber durch Reiko Tosa doch noch die ersehnte Medaille.

Der Finne Tero Pitkämäki schenkte der großen Speerwurf-Nation das erhoffte WM-Gold, das er 2005 ausgerechnet in Helsinki verpasst hatte. Bernard Lagat, beboren in Kenia, holte nach den 1500 Metern das zweite Gold für seine Wahlheimat USA im 5000-Meter-Rennen, Alfred Yego (Kenia) gewann die 800 Meter, Maryam Jamal (Bahrain) die 1500 Meter der Frauen. Top-Favoritin Blanka Vlasic (Kroatien) sicherte sich Hochsprung-Gold mit 2,05 Metern - die Weltrekordhöhe (2,10) war diesmal noch nicht drin.

Gold für das US-Frauenquartett über 4 x 400 Meter war ebenso programmiert wie der Sieg der US-Männerstaffel mit Einzel-Weltmeister Jeremy Wariner. Ein Sturz von Kamghe Gaba (Frankfurt/Main), der unmittelbar nach dem Wechsel auf einen polnischen Konkurrenten auflief, ließ seine Kollegen Ingo Schultz (Leverkusen), Simon Kirch (Saarbrücken) und Bastian Swillims (Wattenscheid) fast verzweifeln. Schwacher Trost: Auch für Platz acht gab es noch einen Punkt.

Dass den Athleten im Zeitalter verschärfter Dopingkontrollen vielleicht doch Grenzen gesetzt sind, zeigte das Fehlen von Weltrekorden. „Ich freue mich, dass die schönsten Wettkämpfe die spannenden Duell waren und gezeigt haben: Wir brauchen keine Weltrekorde“, sagte IAAF-Funktionär Helmut Digel (Tübingen).

Erstmals seit 1983 in Helsinki wurde kein Dopingsünder überführt, allerdings waren bei der Abschlussfeier noch nicht alle Proben analysiert. Während die USA mit 14 Mal Gold, 4 Mal Silber und 8 Mal Bronze ihr WM-Rekordergebnis von Helsinki 2005 sogar noch knapp überboten, liegen Kenia (5/3/5) und Russland (4/9/3) in Lauerstellung.

Gegner für alle war die unbarmherzige Sonne: Temperaturen bis 35 Grad und eine Luftfeuchtigkeit bis 80 Prozent machten die Wettkämpfe fast zum Sauna-Gang. Dennoch ging es auf den Tribünen selten heiß her: Die Zuschauer-Bilanz fiel niederschmetternd aus. Zwischen 10 000 Besucher an den Vormittagen und maximal 36 000 am Abend kamen in die 50 000 Zuschauer fassende Arena. „Mit der Zuschauerresonanz sind wir nicht glücklich“, meinte selbst Diack.

„In Asien können die Länder keine vergleichbare Sportkultur aufweisen, dazu ist die Leichtathletik hier viel zu jung“, erklärte Digel die enttäuschende Resonanz. Dass die IAAF die WM 2011 nach Daegue/Südkorea vergeben hat, zeugt indes vom nächste Kniefall der olympischen Kernsportart vor dem Kommerz.