Eine Sondersitzung des Landtagspräsidiums kommt höchst selten vor. Für den heutigen Dienstag wurde das Gremium kurzfristig einberufen. Finanzminister Christian Görke (Linke) hatte letzte Woche um eine Stellungnahme gebeten, ob die Fraktionen den kompletten Auszug des Landesrechnungshofes für notwendig erachten.

Offenbar gibt es die Möglichkeit kurzfristig Räume in der sogenannten Roten Kaserne im Norden Potsdams anzumieten, sodass der Umzug der Prüfinstanz im Sommer, spätestens im September/Oktober über die Bühne gehen könnte.

Debatte läuft seit einem Jahr

Seit einem Jahr wird darüber diskutiert, ob nach der Wahl im September der jetzige Platz noch ausreicht. Sowohl eine zusätzliche Fraktion könnte die Fünf-Prozent-Hürde überspringen (FDP oder Freie Wähler) und außerdem könnten erstmals Überhang- und Ausgleichsmandate den Landtag über die bisherigen 88 Abgeordneten hinaus anwachsen lassen.

Mitarbeiter wollen nicht nach Cottbus

CDU-Chef Ingo Senftleben hatte in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, die oberste Prüfbehörde nach Cottbus oder Frankfurt (Oder) zu verlegen – was in den Führungsetagen der Behörde auf wenig Gegenliebe gestoßen ist. Ein Umzug sei den Mitarbeitern nicht zuzumuten und würde zur Abwanderung der Fachkräfte führen, wurde Senftleben entgegnet.

Eine erste Abteilung mit zwei Dutzend Mitarbeitern ist zu Beginn dieses Jahren bereits in Büroräume in der Potsdamer Innenstadt gezogen. Am Montag fand bereits eine Besichtigung der früheren Kaserne durch Mitarbeiter des Landesrechnungshofes statt. Dort müssten die rund 90 Mitarbeiter untergebracht werden, die noch im Landtag ihr Domizil haben.

Bericht liegt noch nicht vor

Finanzminister Christian Görke hatte im vergangenen Jahr eine Prüfung initiiert, ob der Landesrechnungshof in einen Anbau der Landesinvestitionsbank untergebracht werden kann. Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsberechnungen liegen noch nicht vor und eine Nutzung des neuen Gebäudes wäre nicht vor Mitte des nächsten Jahrzehnts möglich.

Kleinere Behörden sollen in den Landtag

Da der Landtag nicht alle frei gezogenen Büros nach einem Auszug des Rechnungshofes nutzen könnte, sollen kleinere Behörden wie die der Stasi-Beauftragten und der Datenschutzbeauftragten, die zurzeit noch in Mietobjekten untergebracht sind, ins Stadtschloss ziehen.

Der Landtag in der Kubatur der früheren Potsdamer Residenz war so groß konzipiert worden, dass nach einer Fusion mit Berlin auch die Abgeordneten aus dem Nachbarland dort Platz hätten. Bei der 1996 gescheiterten Fusion war von 150 Mitgliedern eines gemeinsamen Landtages ausgegangen worden. Da die Fusion mit Berlin schon bei der Fertigstellung des Gebäudes 2014 nicht absehbar war, musste der Landesrechnungshof, der zuvor beim Bundesrechnungshof in Potsdam zur Miete untergebracht war,  als Platzhalter einziehen.