Eine relativ kleine Gruppe von 390 Intensivtätern ist laut Innenministerium für 3870 Straftaten in Sachsen verantwortlich. Gegen sie wird ermittelt wegen Körperverletzungen, Rauschgiftdelikten und Ladendiebstählen. Die meisten von ihnen haben eine oder mehrere schwerwiegende Straftaten begangen. Unter den gefassten Tätern sind nach Angaben des Ministeriums sowohl geduldete Asylbewerber als auch solche, die sich illegal in Sachsen aufhalten. Innenminister Markus Ulbig (CDU) spricht von "einigen wenigen Flüchtlingen, die für rund die Hälfte aller durch Asylbewerber begangenen Straftaten verantwortlich sind und damit die Solidarität für politisch Verfolgte gefährden". Um diese Intensivstraftäter zu verfolgen, gründete Ulbig vor knapp einem Jahr eine Sondereinheit bei der Polizei. Dort arbeiten Fachleute die Fälle ab, bei denen sowohl Straf- als auch Asylrecht zum Tragen kommen.

Eine solche Bündelung von Kompetenzen gibt es seit Februar auch bei den Staatsanwaltschaften, die sich mit mehrfach intensiv straffällig gewordenen Asylbewerbern befassen. Minister Ulbig, der sich anfangs gegen den Begriff "Sondereinheit" wehrte, hält das Prinzip für richtig: "Die Ermittlungsgruppen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Ausländerbehörde haben sich etabliert." Sondereinheiten, die sich mit Kriminalität unter Flüchtlingen befassen, gibt es nur in wenigen Ländern. Brandenburg hat keine. Auch wegen des Eindrucks: Es geht dabei um ein sensibles Thema, das gern von Asylgegnern aufgegriffen wird. Entsprechend groß war die Kritik auch in Sachsen. Die Opposition im Landtag wertete Ulbigs Sondereinheit als "Gegenteil von Willkommenskultur", das falsche Akzente setze. Der Innenminister, hieß es, wolle den Hardliner spielen.

Das hieß es auch in Niedersachsen. Eine Sondereinheit der Kriminalpolizei in Braunschweig sorgte jüngst für Aufsehen, als sie mit ihren Ermittlungen an die Öffentlichkeit ging. Seit Jahresanfang, sagte der Braunschweiger Kripo-Chef Ulf Küch, hätte sich dort rund um eine Erstaufnahmeeinrichtung die Zahl der Diebstähle und Einbrüche wie auch Raubüberfälle deutlich erhöht.

Gestiegen sind die Zahlen auch in Sachsen. Im November 2014, als Ulbig seine Pläne für eine Sondereinheit bekannt gab, hatte er eine kleine Gruppe von 160 bis 170 gewohnheitsmäßigen Tätern im Auge. Denen schrieben den Ermittlern an die 1000 Straftaten zu, die im Umfeld der Erstaufnahmen verübt wurden. Diese Delikte haben sich inzwischen vervierfacht. Eine Tendenz will man im Innenministerium daraus aber nicht ableiten. Schon deshalb, weil mit den Flüchtlingszahlen auch der Anteil an Straftätern steigt. Auch wenn die, gemessen an der Gesamtzahl der Flüchtlinge, nur eine kleine Minderheit ausmachen. Aktuell halten sich rund 30 000 in Sachsen auf. Genaue Zahlen über Taten und Täter, heißt es, werden zurzeit noch ermittelt.