Sonden, die Metall aufspüren können, wandern über die Erdoberfläche am Krater. Mehrmals haben die Messgeräte bereits ausgeschlagen: Es ist Metall im Trichter. Aber ob es weitere Riegelminen sind oder es sich um etwas ganz anderes als Kampfmittel handelt, kann Mario Büchner noch nicht sagen. "Die Chance steht 50 zu 50, dass wir am Freitag die Suche hier abschließen können", so Büchner. Auch im Umfeld des Kraters wird nach Metallnestern gesucht.

Einwohner haben wieder Wasser

Doch zuerst mussten Mitarbeiter der Lausitzer Wasser GmbH (LWG) am Mittwoch unter Zeitdruck eine 450 Meter lange oberirdische Notwasserleitung verlegen. Der Spezialbagger hatte bei der Minensuche am Dienstag die Trinkwasserleitung beschädigt. "Wir wussten zwar, dass sie entlang der Straße verläuft", sagt Bürgermeister Dieter Perko (CDU), "sie ist 1989 gebaut worden und auch in Plänen eingezeichnet. Aber wir wussten nicht, in welcher Tiefe sie sich befindet, weil sie beim Bau unter dem Spreebett durch die Erde getrieben werden musste." Auch das blaue Warnband, das Wasserleitungen kennzeichnet, habe gefehlt.

Ab Mittwochmittag haben die 36 Einwohner, die seit der kleinen Havarie ihr Nass aus den Wasserwagen ziehen mussten, wieder "Wasser aus der Wand".

Büchner komme mit seinem Team gut voran. Und die Gemeinde hat für die Professionalität bei all der Aufregung von Innenminister Woidke, von Sven Bogacz, Leiter der Polizeidirektion Süd, und Kreisbrandmeister Wolfhard Kätzmer ein dickes Lob bekommen. Der Hole- und Bringedienst für die Anwohner, die während der Arbeiten ihre Wohnhäuser Mühle 1 und 3 räumen müssen, klappe gut, sagt Bürgermeister Perko. Damit sie zu Hause übernachten können, werden die Häuser nach zehn Stunden Minensuche durch eine Splitterschutzwand aus Stroh gesichert, und der Krater werde abgedeckt.

Innenminister Dietmar Woidke will nun Möglichkeiten suchen, die Gemeinde bei der Beseitigung der Folgeschäden zu unterstützen. "Die Straße soll ja möglichst bald wieder befahrbar sein", sagt Dieter Perko. Zudem hat Woidke neben dem großen Fund von Kampfmitteln in der Lieberoser Heide jetzt ein weiteres Argument, mit dem er vom Bund eine größere Beteiligung an den Kosten der Räumung fordern kann.

Zehn Millionen Euro für Räumung

Brandenburg ist das Bundesland mit dem höchsten Anteil von Gebieten mit Kampfmitteln. Rund 380 000 Hektar gelten als Verdachtsflächen. "80 000 Hektar sind so hoch belastet, dass sie gesperrt sind. Deshalb ist das Thema hochaktuell und wird uns in den nächsten Jahren weiter begleiten", sagt Woidke. Zehn Millionen Euro müsse das Land im Jahr für die Beräumung aufwenden. "Schwerpunkt ist dabei Oranienburg, wo allein fünf Millionen Euro hinfließen", so Woidke. Zwar habe der Bundesrat den Bund aufgefordert, hier aktiver zu werden, aber die Bundesregierung lehne das bisher ab, sagt Woidke. Deshalb sei er froh, dass es immer wieder gelingt, die Beräumung mit Geld "von außen" zu finanzieren - wenn zum Beispiel Solaranlagen auf ehemaligen Militärflächen geplant werden.

Nach einer Selbstdetonation am 14. Dezember an der Mühlenstraße konnte Gas als Ursache schnell ausgeschlossen werden. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst wurde gerufen und legte am Freitagmorgen zwei Riegelminen aus dem Zweiten Weltkrieg frei. Ein Abtransport war unmöglich, die Minen wurden kontrolliert gesprengt. Am Samstag kam es zu einer zweiten Selbstdetonation am Krater. Gemeinsam mit der Kampfmittelräumungsfirma Röhll wurde noch am Wochenende eine neue Strategie entwickelt. Seit Montag arbeitet sich der Bagger - geschützt durch Metallplatten und Panzerglas - von der Seite durch den Trichter.