| 01:03 Uhr

Sommerschlussverkauf wird zum Auslaufmodell

Für wen der traditionelle Großansturm auf Wühltische zum Sommer gehört wie Erdbeertorte und Sonnenbaden, der sollte sich den 28. Juli vormerken: Der Startschuss für den diesjährigen Sommerschlussverkauf könnte der letzte sein. Von Astrid Geisler

Die Bundesregierung hat im Frühjahr eine Gesetzesreform auf den Weg gebracht, um den auf zwei festgelegte Zeiten im Jahr beschränkten Schlussverkauf abzuschaffen. Große Rabattaktionen sollen künftig das ganze Jahr über erlaubt sein.
Ob sich Schnäppchenjäger darüber freuen können, ist umstritten. Ausgerechnet der Einzelhandel, sonst bekannt für Klagen über ein zu enges Paragraphen-Korsett, will die einheitlichen Schlussverkäufe retten. "Ansonsten gibt's einen Dauerschlussverkauf", warnt der Sprecher des Branchenverbands HDE, Hubertus Pellengahr. Das Lockwort "Schlussverkauf" hat nach Ansicht des HDE immer noch eine große Anziehungskraft. Würde es nicht mehr zum Saisonende stehen, sondern beliebig für alle möglichen Rabattaktionen, gehe diese Kraft verloren, warnt Pellengahr. Auch die Verbraucher hätten nichts von beliebigen Rabattaktionen, versichert er: Denn beim traditionellen Schlussverkauf könnten die Kunden besser die Preise vergleichen.
Die Bedenken teilt auch Rabatt-Profi Heinz Waldmüller, Autor mehrerer Schnäppchenführer: "Der Schlussverkauf ist wie ein Leuchtturm, der zeigt: Jetzt geht's nochmal richtig runter" mit den Preisen. Gerade für die kleinen Händler sei diese Tradition unverzichtbar. Dass ohnehin schon Wochen vor dem offiziellen Start für SSV oder WSV die Preise purzeln, hält der Schnäppchen-Profi für unproblematisch.
Ausgerechnet die Verbraucherschützer teilen die Bedenken gegen ein neues Schlussverkaufsrecht nicht. "Das ganze Geschäft wird ohne die Regulierung ehrlicher werden", urteilt Manfred Dimper vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Der verordnete Zeitpunkt für die Rabattschlacht sei nicht zu halten, meint Dimper. Schnäppchenjäger sollten im Schlussverkauf nicht nur auf die Preise, sondern auch auf Qualität achten, rät der Verbraucherschützer.
In einem Punkt sind sich Kritiker und Befürworter der Reform jedoch einig: Die Regelung, wonach im Schlussverkauf nur Textilien, Schuhe, Lederwaren und Sportartikel angeboten werden dürfen, gehört auf jeden Fall gestrichen.