Dass die zweitägige Klausur der Linken in Bersteland (Dahme-Spreewald) auch zur Idylle wird, ist eher zweifelhaft. Zwar hat man mit der künftigen Regierungsbildung im Bund nichts zu tun. Weder SPD noch Grüne wollen mit den Linken paktieren, geschweige denn die Union. Folglich erübrigt sich auch interner Streit darüber.

Aber es gibt noch andere Probleme, allen voran die Wahl der neuen Fraktionsführung. Im Mittelpunkt der linken Zusammenkunft steht die Frage, ob Gregor Gysi weiter alleiniger Vorsitzender bleibt oder fortan Teil einer Doppelspitze werden soll.

Die Regularien der Fraktion lassen beide Möglichkeiten zu. Im Falle eines Duos muss aber eine Frau dabei sein. Schon bei der letzten Vorstandswahl vor zwei Jahren wollte Sahra Wagenknecht an Gysis Seite treten, was der aber verhinderte. Wagenknecht wurde lediglich eine von vier Stellvertreterinnen. Und dabei will es Gysi auch belassen.

Die vormalige Wortführerin der Kommunistischen Plattform und der linke Chef-Realo sind sich nicht gerade in inniger Freundschaft verbunden. Bei den Pragmatikern fürchtet man zudem, dass die Linke in der öffentlichen Wahrnehmung vollends in die radikale Ecke rücken könnte, wenn Wagenknecht an die Fraktionsspitze kommt. Damit wäre auch eine rot-rot-grüne Option noch sehr viel unwahrscheinlicher, obgleich sie rein rechnerisch jetzt schon möglich ist. Anhänger Wagenknechts trommeln dagegen für eine Doppelspitze. Er wolle auf der Klausur "Klarheit, dass Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht die Persönlichkeiten sind, die die Fraktion in den kommenden vier Jahren führen", erklärte Vorstandsmitglied Wolfgang Gehrke gegenüber der RUNDSCHAU. Die 44-Jährige selbst hält sich bislang bedeckt, wohl deshalb, weil sie sich einer Mehrheit in der Fraktion nicht sicher sein kann.

Von den 64 Linksabgeordneten wird etwa ein Viertel dem radikalen Lager zugerechnet. Den Kern bilden die Vertreter aus Nordrhein-Westfalen, wo die gebürtige Thüringerin Wagenknecht auch bei der Bundestagswahl kandidierte. Ein weiteres Viertel repräsentiert den Realo-Flügel. Der Rest ist mehr oder minder unentschieden. Kurz nach der Bundestagswahl hatte Wagenknecht lediglich erklärt, dass sie sich in Sachen Fraktionsvorsitz eine vernünftige Lösung erhoffe, "die wirklich auch das Bild des Wahlkampfs widerspiegelt". Das war eine Anspielung auf die Tatsache, dass die Kampagne der Linken praktisch von zwei Personen getragen wurde: von Gysi und ihr selbst. Bei den Realos wurde allerdings sorgfältig registriert, dass die Linke vor allem dort erfolgreich war, wo Wagenknecht kaum oder gar nicht im Wahlkampf auftrat. Obendrein hat sie in ihrem Düsseldorfer Wahlkreis ein schlechteres Ergebnis eingefahren als 2009. Dagegen konnte Gysi sein Direktmandat in Berlin erneut verteidigen.

"Wir werden eine gemeinsame, einvernehmliche Lösung finden", wehrte Linksparteichefin Katja Kipping am Montag alle Nachfragen zur Fraktionsentscheidung ab. Überschattet wird die Klausur im Spreewald von einem Stasi-Fall. Demnach hat die Mitarbeiterin Gysis und Geschäftsführerin der Linksfraktion, Ruth Kampa, zwei Jahrzehnte lang als Auslandsspionin für den DDR-Geheimdienst gearbeitet. Die Fraktion sieht aber offenbar kein Grund für Konsequenzen. Ein Sprecher verwies auf eine intern geltende Regelung, wonach sich nur Abgeordnete zu ihrer Vergangenheit offenbaren müssen, aber nicht die Fraktionsmitarbeiter.