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Soll Lenin wieder auf den Sockel?

Seitenansicht des Denkmals, das einst auf dem Wiener Platz stand. Lenin und Co. sorgen für Streit in Dresden.
Seitenansicht des Denkmals, das einst auf dem Wiener Platz stand. Lenin und Co. sorgen für Streit in Dresden. FOTO: picture alliance/ZB/Matthias Hiekel
Dresden. Frauenkirche, Fernsehturm, die Dresdner wollten schon vieles wiederhaben. Aber ob das Denkmal wieder vorm Bahnhof stehen soll, ist eine andere Frage. Christine Keilholz / ckz1

Es war nicht schön, es war nicht filigran, es war ein Stück sozialistischer Programmkunst in rotem Stein. Nur mit sechs Metern Höhe doch größer als das meiste dieser Sorte, was sonst rumstand in der DDR.

Das Denkmal zeigte Lenin, Ernst Thälmann und Rudolf Breitscheid, wie sie bedächtig vorwärtsschreiten. Auch die rote Fahne fehlt nicht. Das Denkmal stand von 1974 bis 1992 auf dem Wiener Platz vor dem Hauptbahnhof. Doch derlei war nach der Wende nicht mehr gefragt, deshalb ließ die Stadt es 1992 abbauen.

25 Jahre lang vermisste es auch keiner. Doch nun ist das Denkmal der "roten Bahnhofsvorsteher" wieder aufgetaucht aus den Zwischenlagerräumen der Geschichte. Am Sonnabend soll es im schwäbischen Gundelfingen versteigert werden. Für 150 000 Euro Mindestgebot ist das 100 Tonnen schwere Standbild zu haben. Berechtigte Frage: Wer braucht denn so was? Doch Interesse wurde schon angemeldet, und zwar aus der Dresdner Stadtverwaltung. Die Kulturbürgermeisterin der Linken, Annekatrin Klepsch, sowie der Dresdner Stadtrat, André Schollbach, haben sich nun dafür ausgesprochen, den Erwerb des Denkmals prüfen zu lassen. Das kündigte die 39-jährige Politikerin in der vorigen Woche an. Seitdem hat die Stadt ein neues Streitthema.

Der Kreischef der Dresdner CDU, Christian Hartmann, spricht von einer Verschwendung von Steuergeldern. Für 150 000 Euro ließen sich "viele kleinere Projekte fördern, die für das kulturelle Leben Dresdens einen größeren Mehrwert bieten", erklärt Hartmann.

Der Dresdner FDP-Bundestagskandidat Robert Malorny erinnert daran, dass der "Abbau von sozialistischen Denkmälern" seinerzeit eine bewusste Entscheidung gewesen sei, die die Linken nicht einfach umkehren könnten.

Auch der Bundesvorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Dieter Dombrowski (CDU), hat sich in den Streit eingeklinkt. "Lenin hat für Stalin und für weitere Diktatoren den Grundstein gelegt und sich selbst an Millionen unschuldiger Menschen schuldig gemacht", so Dombrowski. Die Idee, das Denkmal mit Steuergeldern zurückzukaufen, hält er für "absurd". Auch der Chef der Dresdner Grünen, Thomas Löser, hält davon nichts. "Wir brauchen keine kommunistische Folklore."

Haben wollte die kommunistische Folklore 1992 ein Grabsteinfabrikant aus Grundelfingen. Aus ausrangierten DDR-Denkmälern wollte Josef Kurz auf seinem Firmengelände einen Skulpturenpark aufbauen. Er bekam die Dresdner Bahnhofsvorsteher geschenkt, sollte sie aber öffentlich ausstellen. Dann verstarb er und die Erben haben kein Interesse. Sie wollen den Kram lieber loswerden. Das Potsdamer Auktionshaus, das Kurz‘ Statuensammlung nun versteigert, spricht jedenfalls von einem großen Interesse, das der Auktionskatalog bereits ausgelöst habe.

Alle die, die hier die Verramschung eines lieb gewordenen Stücks Geschichte wittern, richten nun ihre Augen hoffnungsvoll aufs Rathaus. Rudolf Herz, ein Künstler aus München, appellierte an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), die Statue heimzuholen auf den Wiener Platz. Der Fraktionschef der Linken im Stadtrat, André Schollbach, sieht gar ein "Kulturgut und von großem historischem Wert" in Gefahr. Doch mit dieser Meinung steht die Linke in dieser Sache allein.