Von den Teilnehmern der Kundgebung getrennt standen laut Polizei rund 50 Gegner der Unterkunft.

Seit Tagen protestieren einige Dutzend Menschen jeden Abend mit teils rassistischen Parolen gegen das Heim. Verschiedene Gruppen und Parteien hatten deshalb zu der Gegen-Kundgebung aufgerufen. "Gerade in der jetzigen Situation ist es umso wichtiger, dass wir offen unsere Solidarität für geflüchtete Menschen zeigen", erläuterte Steffi Brachtel, Mitglied der örtlichen Organisationsgruppe. "Freital darf nicht zum Hinterland für Rassismus werden", meinte auch Sachsens Grünen-Landeschef Jürgen Kasek.

Sachsen will das Konzept für die Erstunterbringung von Flüchtlingen überarbeiten. Es sei wegen der aktuellen Flüchtlingszahlen nicht mehr aktuell, sagte Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) im Anschluss an eine Sitzung des Lenkungsausschusses Asyl am Freitag. Köpping sprach zudem von einer "Notsituation". Für die Erstaufnahme von Flüchtlingen würden mehr Plätze gebraucht. Dazu müsse vor allem die Kommunikation zwischen Kommunen, Landräten und Land verbessert werden, erklärte Köpping - auch mit Blick auf Freital. Ein ehemaliges Hotel wurde in der Stadt bei Dresden kurzfristig zur Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung umgewandelt - mit 400 Plätzen inklusive der bereits zuvor vom Landkreis dort untergebrachten Flüchtlinge.

Unterstützer der Asylbewerber wurden mehrfach angegriffen. Laut Innenministerium bearbeitet das Operative Abwehrzentrum (OAZ) seit Jahresbeginn Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger im Zusammenhang mit der Unterbringung von Flüchtlingen. Bisher laufen die Ermittlungen in 21 Fällen mit 13 Amt- und Mandatsträgern - etwa wegen Beleidigung, Bedrohung oder Sachbeschädigung. Zudem registrierte das OAZ im ersten Quartal des Jahres 20 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte.