Dort präsentierte die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche & Rechtsextremismus eine Postkarten- und Plakatkampagne und forderte die Einstellung des Strafverfahrens gegen den Geistlichen.

"Es geht um die Frage, ob hier ein Vorgang der Einschüchterung stattfindet oder ein Vorgang der Ermutigung", begründete Thierse (SPD) sein Engagement für den Pfarrer aus Thüringen. Das Amtsgericht Dresden verhandelt seit Anfang April wegen schweren Landfriedensbruchs gegen König (59). Ihm wird vorgeworfen, bei einer Dresdner Anti-Nazi-Demonstration zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen zu haben. Mehr als 100 Beamte, die ein Aufeinandertreffen von Linken und Rechten verhindern sollten, waren damals verletzt worden.

In Ermittlungen und im Prozess sei Belastendes umstritten und Entlastendes bisher nicht einbezogen worden, sagte die Geschäftsführerin der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF), Jutta Weduwen. Thierse kommentierte den Prozess nicht, zeigte sich jedoch angesichts der Anklage eines engagierten Pfarrers und dessen möglicher Bestrafung besorgt. Dass von dem Verfahren ein Signal der Einschüchterung ausgehen könnte, "halte ich für fatal", sagte der Politiker.

Im Raum stehe die Grundfrage, ob Zivilcourage und gewaltfreie Formen des Protests gegen Antidemokraten als strafbare Handlungen gesehen werden können. Gewaltfreier friedlicher Protest dürfe jedoch nicht den Verdacht der Straffälligkeit wecken. "Wir brauchen Signale der Ermutigung zu zivilgesellschaftlichem Engagement", sagte Thierse, der dem ASF-Kuratorium angehört. Mutiges Engagement gegen Rechtsextremismus sei für den Erhalt der Demokratie unentbehrlich. "Ich predige keinen Hass und keine Gewalt", betonte König bei der Pressekonferenz. Es sei eine Menschenpflicht, nicht wegzuschauen. Für ihn habe das Verfahren eine grundgesetzliche Dimension, da es Demonstrationsrechte und Meinungsfreiheit insgesamt infrage stelle.