Im uckermärkischen Prenzlau können sie dem Treiben im Berliner Bendler-Block, dem traditionsreichen Dienstsitz des Verteidigungsministers, in aller Ruhe entgegensehen. Was immer in der kommenden Woche Amtsinhaber Thomas de Maizière (CDU) entscheiden wird, Prenzlau bleibt außen vor. Denn das dort stationierte Fernmeldebataillon 610 steht gewissermaßen unter polnischem Schutz. Es ist dem Multinationalen Korps Nordost unterstellt, das von Stettin aus geführt wird und an dem auch dänische Einheiten beteiligt sind. Prenzlau bleibt deswegen außen vor beim großen Standortroulette, mit dem die Verkleinerung der deutschen Streitkräfte abgeschlossen werden soll.

Als de Maizière vor Kurzem in der CDU-Bundestagsfraktion einige Anmerkungen zu seinen Entscheidungsgrundlagen machte, ließ er auch Statistiken passieren, nach denen die jeweilige Bundeswehrdichte der einzelnen Bundesländer erkennbar wird. Und es war dabei sicher auch kein Zufall, dass der im Osten Deutschlands prominent gewordene Sohn eines bedeutsamen Generals allen vor Augen führte, wie relativ gesehen die alten Bundesländer noch bevorteilt sind mit Bundeswehreinheiten, die immer auch für zusätzliche Beschäftigung und besseren Umsatz in einer Region sorgen.

Dies trifft allerdings nicht für Brandenburg zu. Das Land steht mit seinen derzeit fast 6700 Soldaten ganz gut da, jedenfalls deutlich besser als beispielsweise das benachbarte Sachsen-Anhalt. Bei einigen der brandenburgischen Bundeswehrstandorte dürfte sich wie in Prenzlau wenig ändern an ihrer Bedeutung für die lokale Wirtschaft. Potsdam kommt wie zumeist ungeschoren weg und auch die alte DDR-Militärhochburg Strausberg wird nach allen derzeit verfügbaren Informationen darauf vertrauen können, dass seine Nähe zu Berlin sich erneut als Vorteil erweist.

Die Problemmasse konzentriert sich wie ansonsten zumeist auch in den weiter entfernten Landesteilen. Storkow (Oder-Spree) und Holzdorf (Elbe-Elster) sind die beiden Standorte, bei denen vieles auf dem Spiel steht. Und in beiden Orten, in denen fast die Hälfte der Soldaten des Landes stationiert ist, hat die Bundeswehr auch eine herausragende Bedeutung für die weitere regionale Entwicklung.

Dies gilt in besonderem Maße für Holzdorf, das direkt an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und im Übrigen auch nicht allzu weit vom sächsischen Wahlkreis des Verteidigungsministers liegt. Politisches Kalkül legt also nahe, dass zumindest für Holzdorf eine noch erträgliche Teillösung gefunden werden wird. Brandenburgs Süden ist ja auch eine CDU-Hochburg. Aber ob überhaupt und inwieweit dies eine Rolle spielt bei der Entscheidung, bleibt offen.

Denn Storkow wie Holzdorf sind in besonderem Maße von den Strukturentscheidungen betroffen, die Basis aller Standortüberlegungen ist, und in Holzdorf arbeitet eines der drei Luftraumüberwachungszentren. In der neuen Struktur sind nur zwei vorgesehen. Und die dort stationierten Hubschraubereinheiten der Luftwaffe sollen in Zukunft dem Heer angegliedert werden. Die der Streitkräftebasis zugeordneten Verbände in Storkow wird es zumindest in der bisherigen Form auch nicht mehr geben.

Wenn es also tatsächlich in etwa bei der bisherigen Anzahl von Soldaten und Zivilbeschäftigten der Bundeswehr im Land bleiben sollte, wäre dies ein kleines Wunder, mit dem niemand rechnen sollte. Die brandenburgische Staatskanzlei wird am kommenden Dienstag darüber informiert werden, wo eventuell und in welchem Umfang gekürzt werden wird. Ein paar Stunden hat sie dann Zeit zu reagieren, bevor am Mittwoch die Öffentlichkeit die Details erfährt. Die rot-rote Koalition in Potsdam wird dann wieder einmal mit dem Ärgernis konfrontiert werden, dass der berlinferne Raum schwerer zu tragen hat als die mit Bundeseinrichtungen inzwischen verwöhnte Landeshauptstadt. Dass sich die Linke dazu noch gerne als grundsätzlicher Kritiker der Armee profiliert, wird Schuldzuweisungen erschweren. Und die Forderungen der Landesregierung nach Kompensation durch den Bund werden ebenfalls ungehört verhallen.

Zum Thema:

Bundeswehrstandorte in Sachsen In Sachsen ist die Bundeswehr derzeit mit zehn Standorten und knapp 3200 Soldaten präsent. Große Kasernen sind in Marienberg, Frankenberg und Leipzig stationiert. Außerdem gibt es unter anderem ein Munitionslager in Mockrehna bei Torgau und einen Truppenübungsplatz in Weißkeißel bei Weißwasser. Sachsen hofft, bei der Bundeswehrreform keine Standorte zu verlieren. Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) macht geltend, dass in den vergangenen Jahren enorm in die hiesigen Standorte investiert wurde. Außerdem habe Sachsen bei der vorherigen Reform schon überproportional viel verloren: Von vormals 19 Standorten nur zehn übrig geblieben. Die Truppenstärke im Freistaat verringerte sich um 60 Prozent. Nach Darstellung von Tillich ist Sachsen damit das Flächenland mit der geringsten Bundeswehrdichte pro 1000 Einwohner. Ein weiteres Argument: Sachsen stellt wie andere ostdeutsche Länder überproportional viele Soldaten für Auslandseinsätze der Bundeswehr.