Die Truppe, die sich Deutsches Polizeihilfswerk (DPHW) nennt, kennt man beim Innenministerium aus dem E-Mail-Fach. Dort landen nach LR-Informationen öfter mal Rundbriefe und Pressemitteilungen von der Gruppierung, die sich selbst als "weder radikal noch extrem oder sonst wie gefärbt" bezeichnet. Gelesen wird sowas gemeinhin selten. Solche Briefe sind harmlos im Vergleich zur Amtsanmaßung in Polizeiuniform.

Das Innenministerium sieht darin eine neue Qualität. "Die Gruppierung ist bisher nicht durch vergleichbare gewalttätige Aktivitäten aufgefallen", sagte am Freitag Innenressortsprecher Frank Wend gegenüber der LR. Jetzt aber sehen die Ermittler genauer hin.

Hinter dem DPHW verbirgt sich eine skurrile Bürgerwehr, die neuerdings in blauen Uniformen als Polizei unterwegs ist. Zu spüren bekam das vor zwei Wochen ein Gerichtsvollzieher, der in Radeburg bei Dresden eine Zwangsvollstreckung vornehmen wollte. Vor dem Haus des Schuldners sah sich der Gerichtsvollzieher plötzlich von knapp 20 Männern in Uniform umstellt, die ihn bedrängten und mit Kabelbindern fesselten. Schließlich musste der Mann von der Polizei befreit werden. "Der Vorfall ist Teil eines laufenden Ermittlungsverfahrens", sagt Frank Wend. Auch die Soko Rex wurde in der Sache eingeschaltet.

Das DPHW hat sich inzwischen umfangreich im Internet zu dem Angriff erklärt. Es habe sich dabei um die vorläufige Festnahme eines "vorgeblichen Gerichtsvollziehers" gehandelt, der bei Hausfriedensbruch und Anmaßung erwischt worden sei. Dass diese kruden Vorwürfe ernst gemeint sind, bekräftigte das DPHW am Freitag in einer ausführlichen Erklärung. Die Gruppe bezeichnet sich auch als "Bürgerwehr zum Schutz vor Missbrauch öffentlicher Gewalt", die um die freiheitlich demokratische Grundordnung besorgt seien.

Dabei bestehen deutliche Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Die Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz zählt das DPHW zum Netzwerk der "Reichsbürger". Die falschen Polizisten treten laut Innenministerium auf im Namen des Deutschen Reiches und leugnen die Existenz der Bundesrepublik. Manche weigern sich, Steuern zu zahlen. "Zahlreiche führende Mitglieder der Reichsbürgerbewegung waren zuvor Funktionäre der extremen Rechten", so Köditz.

Der DPHW selbst weist Verbindungen zu den Reichsbürgern zurück. Ein Mitglied der falschen Polizisten ist der ehemalige Polizeigewerkschafter Volker Schöne. Nachdem er 2011 einen verwirrten Brief an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) als Landesvorstand der Polizeigewerkschaft (DPolG) signierte, setzte die ihn vor die Tür.

In dem Schreiben gab Schöne angesichts der Einsparungen bei der Polizei "unumwunden zu, ich habe Angst". Kerstin Köditz findet die Aktivitäten eines Ex-Mitglieds bedenklich für die Gewerkschaft und den ganzen Beamtenbund. Dieser Vorgang zeige "wieder einmal, dass dieser Verband sich mit der Abgrenzung nach Rechtsaußen gelegentlich schwertut".