Nach der Bluttat wurde eine 50-köpfige Sonderkommission gegründet - eine ungewöhnlich große Ermittlungsgruppe für einen versuchten Mord. "Das ist dann üblich, wenn ein außergewöhnliches Interesse der Bevölkerung vorliegt", rechtfertigte Soko-Chef Gerhard Zintl die Personalstärke. Es gebe aber Überlegungen, die Sonderkommission demnächst zu verkleinern. Die Vermutung, dass ein Neonazi hinter dem Anschlag auf Mannichl steckt, wird von Chefermittler Walch und seinen Kollegen längst nicht mehr so stark in den Vordergrund gerückt. Umgekehrt wird ein Racheakt eines Rechtsextremisten aber auch nicht ausgeschlossen. Nur an den Verdächtigungen gegen Mannichls Familie und den 52-Jährigen selbst ist aus Sicht der Soko nichts dran. Nachdem die Ermittler ein aus der rechten Szene stammendes Münchner Ehepaar nach einigen Tagen aus der Untersuchungshaft laufen lassen mussten, schossen die Gerüchte ins Kraut, dass es sich um eine Beziehungstat handeln könnte. Doch nichts davon ist bislang handfest. Auch im Kreis von Bekannten und Kollegen Mannichls wurde man nicht fündig. So gibt es auch keinen Anhaltspunkt, dass es ein Krimineller war, den Mannichl in seiner 35-jährigen Polizeikarriere hinter Schloss und Riegel brachte. Die in der Vergangenheit gegen Mannichl eingereichten Dienstaufsichtsbeschwerden seien ohne Erfolg überprüft worden, sagte Walch. Bei der Soko trudeln zwar noch immer neue Hinweise auf den Täter ein - bislang waren es etwa 540 - eine heiße Spur ist aber nicht dabei. Mannichl hatte den Messerstecher als rund 1,90 Meter großen, kräftigen Mann mit rundem Gesicht und Glatze oder extrem kurzen Haaren beschrieben. Besonders mysteriös ist bis heute, dass die Tatwaffe aus Mannichls Haushalt stammt. Nach seinen Angaben wurde das Küchenmesser einige Tage vor dem Überfall bei einer Nachbarschaftsfeier vor seinem Haus auf einem Fenstersims vergessen. Zintl räumt ein, es sei ungewöhnlich, dass der Täter keine eigene Waffe benutzt hat. Der Kriminaldirektor will dies aber nicht überbewerten: "Ungewöhnliche Vorgänge sind gar nicht so selten." Auf dem Messer sind im Labor etliche DNA-Spuren gefunden worden. Die Experten konnten daraus bislang aber keine gentechnische Spur des Täters isolieren. Die größte Hoffnung setzen die Ermittler in die 20 000 Euro Belohnung. Das LKA hat die Prämie auf die ungewöhnlich hohe Summe aufgestockt, weil möglicherweise jemand aus dem Bekanntenkreis des Täters von der Bluttat weiß und bislang schweigt. "Auch für Mitwisser könnten die 20 000 Euro bereitstehen", betont Zintl.