Der 34-Tage-Krieg zwischen der Hisbollah und Israel hat dem kleinen Staat Libanon schwer zugesetzt. Die internationale Gemeinschaft tat sich beim politischen Umgang mit der Krise schwer, beim Wiederaufbau will sie nun rascher helfen. Auf einer internationalen Geberkonferenz in Stockholm sollen heute knapp 400 Millionen Euro für das kriegszerstörte Land am Mittelmeer eingeworben werden.
"In dieser Konferenz geht es um schnelle Hilfe, damit die Menschen während des Wiederaufbaus wieder beginnen können, ihr Leben zu leben", betont die schwedische Entwicklungshilfeministerin Carin Jämtin. Es werde beispielsweise Monate dauern, das Bildungssystem wieder in Gang zu bringen, und trotzdem müssten die Kinder endlich in die Schulen zurückkehren. "Das ist der Schlüssel, um ihre Kriegstraumata zu lindern", sagt Jämtin.

2,8 Milliarden Euro Schäden
Kathleen Cravero vom UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) listet die vordringlichsten Aufgaben des Hilfsprogramms auf: Das libanesische Volk brauche Zugang zu medizinischer Versorgung; Straßen, Brücken, die Wasser- und Stromversorgung müssten instand gesetzt werden, nicht explodierte Sprengsätze entfernt werden. Die libanesische Regierung schätzt den Umfang der Schäden auf umgerechnet rund 2,8 Milliarden Euro.
Sein Land brauche dringend Geld - das wird die wichtigste Botschaft von Libanons Regierungschef Fuad Siniora sein, wenn er heute zu den Vertretern von etwa 60 Ländern, der Vereinten Nationen, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und internationaler Hilfsorganisationen spricht. Schon vor der Konferenz hatten einige Staaten Hilfen angekündigt. Die moslemischen Öl-Staaten Saudi-Arabien und Kuwait zeigten sich mit 500 Millionen Dollar und 800 Millionen Dollar besonders spendabel.
Die EU versprach am Mittwoch eine zusätzliche Finanzspritze von 42 Millionen Euro, davon wohl mehr als zehn Millionen Euro aus deutscher Tasche. Die Vertreterin der Bundesregierung in Stockholm, Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), kann auch auf schon angelaufene Hilfsleistungen verweisen. Das Technische Hilfswerk baut die Wasserversorgung im Libanon mit auf, die Bundeswehr fliegt Decken und Babynahrung ein. Bei der Grenzsicherung und der Bekämpfung der Ölpest vor der libanesischen Küste soll deutsche Ausrüstung zum Einsatz kommen.
Organisatoren und Teilnehmer der Stockholmer Konferenz erhoffen sich eine politische Signalwirkung. "Der Wiederaufbau des Libanon muss Teil eines friedenspolitischen Gesamtplans für die ganze Region sein", hatte Wieczorek-Zeul jüngst geäußert. Ihre schwedische Kollegin sieht dies ähnlich: Sie hoffe, dass die Konferenz den Kriegsparteien weiteren Anstoß gebe, ihren politischen Konflikt zu lösen, sagte Jämtin.
Allen Beteiligten ist klar, dass der Libanon von dem Wiederaufbau nur dann langfristig profitiert, wenn zwischen der vom Iran und Syrien unterstützten Hisbollah-Miliz und Israel Ruhe einkehrt. Diese Hürde ist hoch, zu stark sind die Fronten verhärtet. Ein dauerhafter Frieden scheint in weiter Ferne.

Geld auch für Palästinenser
Ungeachtet der Schwierigkeiten streben Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien eine Gesamtlösung an: Sie drängen dazu, das derzeitige Interesse der Welt am Libanon zu nutzen und auch den palästinensisch-israelischen Konflikt wieder auf die Agenda zu heben. Ganz in diesem Sinne forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Jacques Chirac vor wenigen Tagen, das vergessene Nahost-Quartett von EU, UNO, Russland und USA wiederzubeleben. Dazu passt auch, dass Schweden morgen ebenfalls in Stockholm eine Geberkonferenz zugunsten der Palästinenser einberufen hat. Die Teilnehmer der Libanon-Konferenz bleiben einfach einen Tag länger in der schwedischen Hauptstadt.