Jetzt gibt es eine Stadtkarte, die die deutschen Spuren im heutigen Wroclaw illustriert.

Wenn man etwas übers Breslaus wechselhafte Geschichte erfahren will, brauche man nur nach oben und unten zu schauen, sagt Maciek Wlazo: "Auf den Hauswänden entdeckt man verblasste deutsche Schriften, auf den Gehwegen Gullydeckel mit deutscher Aufschrift." Nach 1945 wurde aus Breslau die polnische Stadt Wroclaw. Doch die deutsche Vergangenheit der niederschlesischen Metropole ist noch immer vielerorts sichtbar. Besonders in Nadodrze, dem Viertel, das Intellektuelle gern das Berlin-Kreuzberg von Breslau nennen. Hip und mit vielen Cafés.

Wlazo ist fasziniert von den Relikten aus den deutschen Zeiten und hat einen virtuellen Stadtführer entworfen. Die Internetseite "Beard of Breslau" illustriert die deutschen Spuren, die Einheimischen und Besuchern auf den ersten Blick verborgen bleiben. Das Interesse ist groß, seine Facebook-Seite hat mehr als 6000 Follower.

Einer von ihnen ist ifa-Kulturmanager Ruben Gallé. Wlazos Projekt hat ihn begeistert und auf eine Idee gebracht: Aus dem virtuellen Stadtrundgang sollte ein echter werden. Gemeinsam haben Ruben Gallé und Maciek Wlazo die Stadtkarte "Außergewöhnlicher Spaziergang auf den deutschen Spuren in Breslau" entworfen - mit 26 Stationen. Allein sechs davon befinden sich in der ulica Rydygiera in Nadodrze: Schilder, die auf Deutsch den Wasserzugang anzeigen, einen bildhauerisch gestalteten Hauseingang aus der Vorkriegszeit, eine Straßenkappe sowie mehrere Inschriften. Und ein Turm, der die Himmelsrichtungen in deutscher Sprache anzeigt. Das Lieblingsstück von Gallé: "Weil er eigentlich gar nicht ins Auge fällt. Da muss schon ein Kenner darauf aufmerksam machen." Die Erläuterungen zu den Stationen sind zweisprachig auf Deutsch und Polnisch. "Die Karte ist dazu da, um auf eigene Faust auf Entdeckungstour zu gehen", sagt Gallé. Man könne aber auch einen geführten Rundgang buchen, räumt er ein. Anfragen senden Interessierte an renatabm@tlen.pl Stadtführerin Renata Bardzik-Milosz bietet als Einzige die Führung auf deutschen Spuren an. Die Stadtkarte ist zeitweilig an der Touristen-Information Breslau erhältlich sowie im Sitz der Deutschen Sozialkulturellen Gesellschaft Breslau (DSKG), ulica Saperów 12. Eine Zusendung per Post ist ebenfalls möglich - dazu bitte eine E-Mail an galle@ifa.de senden.

Wer sich in Breslau auf deutsche Spuren begeben will, sollte sich beeilen. Denn werden die alten Fassaden saniert, sind die historischen Relikte unwiderbringlich verloren.