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Deutsche Einheit
So sieht der Ossi den Wessi – und umgekehrt

Ein Kind hält an der früheren Grenze zwischen Vacha (Thüringen) und Philippsthal (Hessen) eine Deutschlandflagge.
Ein Kind hält an der früheren Grenze zwischen Vacha (Thüringen) und Philippsthal (Hessen) eine Deutschlandflagge. FOTO: Michael Reichel / dpa
Cottbus. Die Rheinische Post (RP) und Lausitzer Rundschau (LR) haben zum Tag der Deutschen Einheit Briefe geschrieben: RP-Kulturchef Lothar Schröder schreibt den "lieben Ossis", LR-Redakteur Peter Blochwitz den "lieben Wessis". Wessi versus Ossi, Ossi versus Wessi: Nach 27 Jahren Deutscher Einheit gibt es noch jede Menge Missverständnisse - und auch was zu lachen. Von Oliver Haustein-Teßmer

Die gute Nachricht zum 3. Oktober 2017 lautet: Früher war nicht alles besser. Vor sechs Jahren noch, 2011, sagten 67 Prozent der befragten Ostdeutschen dem Meinungsinstitut Forsa, das Trennende zwischen Ost und West überwiege. Heute meint dies nur noch gut die Hälfte der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin (Ost).

Man kann das vielleicht so interpretieren: Mehr Menschen aus den neuen Ländern haben seitdem Vertrauen gefasst in das Zusammenleben mit den Westdeutschen in einer gemeinsamen Bundesrepublik. Fraglich bloß, ob dies ein Anzeichen für die langsam wachsende innere Einheit Deutschlands ist, wie Anna Kaminsky von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zur jüngsten Einheitsumfrage sagte.

Wir haben uns diesmal zum Feiertag der Deutschen eines Kniffs bedient, um den Stand der inneren Einheit exemplarisch zu ergründen. Wir nutzen dazu den Geist und die Worte zweier Kollegen, die hinschauen bei vielen Entwicklungen und um klare Worte nicht verlegen sind. Lothar Schröder, Kulturchef der mit der LR verbundenen Rheinischen Post in Düsseldorf, hat mit seinen Kollegen am Rhein die Idee gehabt: Er schreibt einen Brief an die lieben Ossis (unten auf dieser Seite, sozusagen der Westteil der Zeitung).

Und Peter Blochwitz, schreibt den „lieben Wessis“ nach freundlicher Lausitzer Art.

Beide sind ausgezeichnete Autoren – und eben auch ein bisschen reifer, altersmäßig. Beider Ansichten, das werden Sie bei der Lektüre entdecken, sind also auch geprägt durch eine Sturm-und-Drang-Zeit vor und eine Zeit nach der Vereinigung von Ost und West 1990. Jüngere, nachgeborene Menschen sehen entscheidende Dinge in der gesamtdeutschen Gesellschaft deutlich anders – genauso übrigens wie Senioren.

Der eingangs zitierten Umfrage zufolge spiegelt sich das in Einstellungen wider. Während nur 40 Prozent der über 60-Jährigen bundesweit der These zustimmen, die Deutschen in Ost und West seien zu einem Volk zusammengewachsen, glauben dies knapp zwei Drittel der 14- bis 21-Jährigen (65 Prozent). Ist das die zweite gute Nachricht?

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Sie finden nachfolgende Texte, über die es sich lohnt, nachzudenken. Bei der Lektüre könnten Sie sich amüsiert, geärgert oder animiert fühlen. Bitte fühlen Sie sich auch eingeladen, kurz aufzuschreiben, was Sie nach 27 Jahren Deutscher Einheit zu diesem Thema bewegt. Wir freuen uns auf Ihre Mails an:

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