Wie hat sich die Bevölkerung entwickelt?
Deutschland hatte 2012, dem letzten Stichjahr, 80,52 Millionen Einwohner, etwas mehr Frauen (51,1 Prozent) als Männer (48,9 Prozent). Der Frauenüberschuss beginnt ab dem Alter von 57 Jahren. Es gibt von Berlin bis Moers insgesamt 76 Städte mit jeweils mehr als 100 000 Einwohnern. Alle östlichen Flächenländer sowie das Saarland verzeichnen gegenüber 2010 Einwohnerrückgänge, der Rest wächst, ganz besonders Bayern (plus 76 000 Einwohner), Baden-Württemberg (plus 56 000) und Berlin (plus 49 000). Wegen der zunehmenden Überalterung wird die Einwohnerzahl bis 2060 auf nur noch 64,6 Millionen sinken.

Wo liegt Deutschland im internationalen Vergleich?
Bei der Einwohnerzahl auf dem 16. Platz, hinter Äthiopien und Ägypten, knapp vor dem Iran und Kongo. Nur noch 1,13 Prozent der Weltbevölkerung von derzeit 7,1 Milliarden sind Deutsche, die aber fast fünf Prozent des Weltsozialprodukts erwirtschaften. Trotzdem, für einen Sitz in einem Welt-Bundestag würde das bei beiden Kategorien nicht reichen, zumal der deutsche Anteil weiter sinkt. Laut dem aktuellen Weltbevölkerungsbericht steigt die Zahl der Menschen bis 2050 auf neun und bis 2100 auf zehn Milliarden. Wenn allerdings die Geburtenrate je Frau nur um 0,5 Kinder höher liegt als vorausberechnet, werden es 2100 schon 17 Milliarden Menschen sein. Vor dem Hintergrund, dass bereits heute 1,8 Milliarden Menschen leben, die zwischen zehn und 24 Jahre alt sind, 80 Prozent davon in Entwicklungsländern, forderte die Stiftung Weltbevölkerung gestern größere Anstrengungen in Bildung, Gesundheit und Familienplanung.

Was gibt das Statistische Jahrbuch für aktuelle Debatten her?
Sehr viel, etwa wenn es um die Sanktionen gegen Russland geht. So gingen 2013 Ausfuhren im Wert von 36 Milliarden Euro in Putins Reich, vor allem Maschinen (23 Prozent), Autos (21 Prozent) und chemische Erzeugnisse (neun Prozent). Das sind die Branchen, die jetzt betroffen sind. Allerdings ist Russland mit einem Anteil von drei Prozent aller Exporte lediglich der elftwichtigste Handelspartner für Deutschland, noch hinter der Schweiz.

Wie entwickelt sich die Zuwanderung?
Dynamisch. Die weltweiten Konflikte haben die Zahl der Asylanträge hochschnellen lassen. Nach einer Tiefphase Mitte der 2000er-Jahre, als jährlich nur noch etwa 20 000 Anträge gestellt wurden, sind es jetzt deutlich über 100 000. Aus den Statistiken ablesbar sind auch die Folgen der wirtschaftlichen Krise in Europa. So gibt es im Vergleich zum Vorjahr im Jahr 2013 Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich bei der Zuwanderung aus Rumänien (plus 30,4 Prozent), Ungarn (26,3 Prozent) und Bulgarien (23,6 Prozent). Bei Türken (minus 1,6 Prozent) und Serben (minus 9,1 Prozent) sanken die Zahlen hingegen wieder.

Welche kleinen Geschichten erzählt das Statistische Jahrbuch?
Zum Beispiel, dass die Männer inzwischen durchschnittlich schon 37,7 Jahre alt sind, wenn sie heiraten, die Frauen 34,6. Zum Vergleich: 1985 waren das bei beiden Geschlechtern noch acht Jahre weniger. So spät bekommen Paare dann meist auch weniger Kinder. Ob verheiratet oder nicht, sahen die Deutschen täglich drei Stunden und 41 Minuten fern, immerhin eine Minute weniger als 2012. Wenn sie dabei ein Glas deutschen Weins tranken, dann am liebsten Riesling. Dessen Anbaufläche blieb mit 23 293 Hektar etwa gleich groß, während Müller-Thurgau und Kerner starke Verluste verzeichneten. Apropos Verluste: Bier wurde weniger getrunken, nur noch 99 Liter je Einwohner statt 188 Liter wie vor zehn Jahren. Und der Zigarettenkonsum ist seitdem sogar um fast die Hälfte zurückgegangen auf nur noch 996 Stück je Einwohner und Jahr gegenüber 1731 im Jahr 2001.

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