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| 21:00 Uhr

RUNDSCHAU-Serie: Ich kaufe regional
Lausitzer sind modisch und hip

Cottbus. Gemessen an der Einzelhandelskaufkraft investieren die Leute viel in ihr äußeres Erscheinungsbild. Von Kathleen Weser

Die Lausitzer sind modischer als gedacht. Zwar kommen die Trends der Laufstege der Welt auch zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen erst gut zwei Jahre nach dem ersten großen Auftritt in den regionalen Einzelhandel. Aber dann greifen vor allem die Damen zu. Gemessen an der Kaufkraft der Lausitz-Metropole, die nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus bei 6130 Euro pro Nase liegt (Stand 2017), werden für Damenmode jährlich 267 Euro ausgegeben. Zum Vergleich: Die Berliner Frauen haben 302 Euro in den Kleider- und Schuhschrank sowie Accessoires investiert, der Durchschnitts-Bundesbürger verwendet 294 Euro pro Jahr für sein Äußeres.

Die Herren, dem Ruf nach viel bescheidener, sind in Cottbus mit 128 Euro für Kleidung dabei. Sie werden von den modischen Männern im Landkreis Dahme-Spreewald mit einem Euro mehr pro Kopf knapp überrundet. Für Kindermode geben die Familien in Cottbus und Dahme-Spreewald der Lausitz-Statistik zufolge am meisten aus. In den Sachsen-Kreisen Bautzen und Görlitz spielt die neue Mode den erfassten Ausgaben pro Kopf indes eine deutlich geringere Rolle.

Total hipp ist in diesem Sommer die Farbe Ultraviolett. Das sagt Designerin Sarah Gwiszcz aus Lübbenau. In den Schaufenstern dominiert aber in der Lausitz das Rose-Quarz, das nunmehr bereits vor zwei Jahren als großer Trend kreiert worden war. Die Spreewälder aber entwickeln selbstbewusst auch einen eigenen Stil: Die Rückkehr zum Biedermeier mit hoch geschlossenem Kragen und Rüschen ist zu beobachten, erklärt Sarah Gwiszcz. Die Fachfrau für besondere und Trachtenmode macht dieses Phänomen am Heimatgefühl und bürgerlichen Werten fest.

Piefige Mode verbannt Ursula Voigt aus Senftenberg aus ihren Geschäften. Im Zwirn aus Mailand und London machen ihre Kunden das Kleinstadtpflaster unsicher. Die Damen, die sich hier einkleiden, kommen aber auch aus Leipzig, Dresden und Berlin in die Stadt am See. Bewusst setzt die Modehaus-Chefin auf neue Trends statt Basics. Das ist ihr Erfolgsrezept. Der regionalen Marktforschung zufolge zahlt sich das für den Einzelhandelsstandort Senftenberg in der Branche nicht spürbar aus. Lediglich Cottbus zieht den nackten Fakten zufolge mit Bekleidung, Schuhen und Schmuck auch stärker Kunden aus dem Umland in die Stadt (Einzelhandelszentralität).