Und natürlich passieren diese Morde dann auch. "Spooky", findet die Kommissarin. "Albern", findet das der Realität liebende Tatort-Gucker. The Sixth Sense in Berlin - und der arme, vom Kollegen Ritter alleingelassene Kommissar Stark macht den deutschen Bruce Willis. Ganz schön viel Hokuspokus an einem Sonntagabend.

So - und nun das große Aber: Spannend war er, der letzte Berliner Tatort mit Boris Aljinovic. Nicht so sehr wegen der hellsehenden Norwegerin mit den tatsächlich etwas gruseligen Kulleraugen. Auch nicht wegen der Prophezeiung, dass auch Stark Opfer eines Verbrechens werden wird. Vielmehr war es dieser große, rothaarige Mann in Latzhosen, der so einfach Zugang zu den Wohnungen seiner Opfer bekommen hat. Da war sie wieder, die Realitätsnähe. Und die hatte es in sich. Wir lernen: Immer beim Hausverwalter nachfragen, wenn Handwerker vor der Tür stehen. Öfter mal das Internet durchforsten nach beliebten Mörder-Tricks. Und hübschen Norwegerinnen sollte man Glauben schenken, sonst endet man mit einer Kugel im Kopf beim Italiener oder ausgestreckt am Boden eines Kreuzberger Innenhofes.

Und zum Schluss wollen wir doch noch einmal meckern. Ein schlechterer, weniger spannender Sonntagsabend-Krimi wäre doch nun wirklich angebracht gewesen angesichts der Tatsache, dass es Boris Aljinovic nun seinem Kollegen Dominic Raacke gleichtut und nicht mehr für den Tatort vor die Kamera tritt. Dann wäre es dem Tatort-Fan - ob nun Realität liebend oder nicht - leichter gefallen, den kleinen Mann mit der großen Nase gehen zu lassen. Aber nein, es musste ja ein richtig guter Berliner Tatort sein. So eine Unverschämtheit.